Landesförderung für ältestes Jugendzentrum Niederösterreichs ausgelaufen - Stadt strebt Neustart 2027 an - Kritik an monatelangem politischen Streit
St.Pölten, 29.07.2026 (KAP) Das Don-Bosco-Jugendzentrum in Amstetten hat nach knapp 60 Jahren seinen Betrieb eingestellt. Die seit Jahrzehnten bestehende Einrichtung, die als ältestes Jugendzentrum Niederösterreichs gilt, schloss am vergangenen Samstag laut Medienberichten ihre Pforten. Ursprünglich wäre das Aus erst nach den Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen im September vorgesehen gewesen. Stadt und Sozialwerk Don Bosco bemühen sich nun um eine Wiederaufnahme des Betriebs ab Anfang 2027.
Von der Schließung betroffen ist auch das dreiköpfige Betreuungsteam, dessen Dienstverhältnisse beendet wurden. Sozialwerk-Geschäftsführerin Regina Schmid begründete den Schritt laut der Tageszeitung "Kurier" (28. Juli) mit dem Auslaufen der bisherigen Förderung des Landes Niederösterreich. Das dadurch entstandene Defizit könne die Trägerorganisation nicht mehr tragen. Im Frühherbst wolle man den für Jugend- und Sozialagenden zuständigen Landesräten ein neues Konzept für die Fortführung des Jugendzentrums vorlegen.
Das vom Sozialwerk Don Bosco betriebene Jugendzentrum bot bis zuletzt Freizeit-, Beratungs- und Bildungsangebote sowie niedrigschwellige Betreuung durch ein pädagogisches und sozialarbeiterisches Team an. Rund 40 Prozent der Finanzierung stammten laut Medienberichten aus Landesmitteln, die im laufenden Jahr 50.000 Euro betragen hätten. Weitere Zuschüsse kamen von der Stadt Amstetten, der Pfarre Herz Jesu sowie dem Träger selbst. Bereits vor der Schließung war der Betrieb auf drei Öffnungstage pro Woche reduziert worden.
Zukunft offen
Die Zukunft der Einrichtung ist weiterhin offen. Amstettens Sozialstadtrat Helfried Blutsch (SPÖ) erklärte laut NÖN (29. Juli), die Stadt habe dem Sozialwerk Don Bosco angeboten, das Jugendzentrum künftig selbst zu betreiben und mit eigenem Personal weiterzuführen. Die Stadt wäre nach seinen Angaben auch bereit gewesen, bereits im Herbst einzuspringen. Das Sozialwerk habe dies jedoch abgelehnt, da die Salesianer zunächst selbst eine Lösung für eine Wiedereröffnung im Jahr 2027 anstrebten. Bis September benötige die Stadt eine Entscheidung, um die erforderlichen Vorbereitungen für einen möglichen Neustart treffen zu können.
Die Schließung des Jugendzentrums war in den vergangenen Monaten Gegenstand einer politischen Auseinandersetzung. Auslöser war die Entscheidung des Landes Niederösterreich, die bisherige Förderung nicht fortzusetzen. FPÖ-Landesrat Martin Antauer hatte die Arbeit der Einrichtung unter anderem mit Verweis auf angeblichen "links-woken Wahnsinn" kritisiert. Es folgten eine Resolution im Amstettner Gemeinderat sowie eine Debatte im niederösterreichischen Landtag.
Kritik an der Schließung kam auch von den Grünen. Der Amstettner Landtagsabgeordnete und Gemeinderat Dominic Hörlezeder warnte davor, die Jugendarbeit könne nicht einfach unterbrochen und später wieder aufgenommen werden. "Man kann Jugendarbeit nicht einfach wie eine Maschine für ein halbes Jahr abdrehen und glauben, dass man sie 2027 per Knopfdruck wieder hochfährt", sagte Hörlezeder. Vertrauen bei Jugendlichen und gewachsene soziale Strukturen ließen sich nicht kurzfristig wiederherstellen.