Linz: Initiative fordert Umbenennung der Dinghoferstraße in Aichernstraße
29.07.202610:41
(zuletzt bearbeitet am 29.07.2026 um 11:52 Uhr)
Österreich/Kirche/Religion/Geschichte/Politik
Offener Brief von Mauthausen Komitee und Katholischer Aktion an Bürgermeister Prammer verweist auf NS-Vergangenheit Dinghofers - Stadt sieht Straßenumbenennung frühestens 2029 - Sozialbischof Aichern als neuer Namensgeber vorgeschlagen
Linz, 29.07.2026 (KAP) Das Mauthausen Komitee Österreich, die Katholische Aktion Oberösterreich und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus fordern eine Umbenennung der Linzer Dinghoferstraße. In einem offenen Brief an den Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) sprechen sich die drei Organisationen dafür aus, die Straße künftig nach dem 2026 verstorbenen Linzer Altbischof Maximilian Aichern zu benennen. Unterstützt wird der Appell von zahlreichen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Kirche, darunter die früheren evangelischen Bischöfe Michael Bünker und Michael Chalupka, die Diakonie-Österreich-Direktorin Maria Katharina Moser, der Katholische-Aktion-Österreich-Präsident Ferdinand Kaineder sowie der Schauspieler Cornelius Obonya als Präsident der Aktion gegen den Antisemitismus.
Prominente Unterstützung gaben auch die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die Historikerin Gabriella Hauch, der Karikaturist Gerhard Haderer und der Intendant des Landestheaters Linz, Hermann Schneider. Sie appellieren an den Bürgermeister, "im Geiste der demokratischen und antifaschistischen Werte der Republik zu handeln".
Als Grund verweisen die Initiatoren auf die historische Rolle des früheren Linzer Bürgermeisters und deutschnationalen Politikers Franz Dinghofer (1873-1956). Dieser habe sich selbst als "radikalen Antisemiten" bezeichnet, sich an der "Arisierung" jüdischen Vermögens beteiligt und sei 1940 der NSDAP beigetreten. Eine Straßenbenennung nach Dinghofer stelle folglich eine öffentliche Ehrung dar und sei mit den demokratischen Grundwerten nicht vereinbar, argumentieren die Unterzeichner.
"Als Mitbegründer und langjähriger führender Repräsentant der Großdeutschen Volkspartei war Dinghofer ein ideologischer Wegbereiter der Reichspogromnacht und des Holocaust", heißt es in dem offenen Brief. Die Organisationen erinnern zudem an Prammers Kritik am von der FPÖ veranstalteten Dinghofer-Symposium Ende 2025, wonach ein ehrendes Andenken an Dinghofer den demokratischen Werten der Republik widerspreche.
Aichern bereits auf Liste möglicher Namensgeber
Als neuen Namensgeber schlagen die Organisationen den im Jänner verstorbenen Altbischof Maximilian Aichern (1932-2026) vor, der von 1982 bis 2005 die Diözese Linz leitete. Er habe sich unter anderem für die Aufarbeitung der NS-Zeit und die Seligsprechung des NS-Widerstandskämpfers Franz Jägerstätter eingesetzt. MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi verwies darauf, Aichern habe als Jugendlicher die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung miterlebt und sich später entschieden gegen den Faschismus engagiert. "Bischof Maximilian war einer der wichtigsten Wegbereiter der Seligsprechung von Franz Jägerstätter", erklärte Gabriele Hofer-Stelzhammer, Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich.
Der Linzer Bürgermeister hat den Vorschlag, eine Straße nach dem Altbischof zu benennen, laut APA "ausdrücklich" gewürdigt. Aufgrund seiner Verdienste und seiner breiten Anerkennung sei Aichern vom Stadtarchiv bereits auf die Liste möglicher künftiger Namensgeber aufgenommen worden. Das Archiv empfehle nach dem Tod einer Persönlichkeit eine mindestens dreijährige Cooling-off-Phase. Eine Benennung nach Maximilian Aichern käme so frühestens im Jahr 2029 in Betracht.
Bereits 2019 haben laut APA die Linzer Grünen eine Umbenennung der Straße gefordert. 2022 hat die Stadt ihre 1.158 Straßen und öffentlichen Plätze von einer Historikerkommission nach möglichen belasteten Namensgebern durchleuchten lassen. Dinghofer fiel in die Kategorie 2 der belasteten Personen, nur vier Straßennamen der Kategorie 1 wurden bisher umbenannt. Ausschlaggebend bei der Einteilung war vor allem, wie aktiv und exponiert die Namensgeber Extrempositionen eingenommen haben.
Prammer teilte am Mittwoch laut APA mit, dass neue Namen für Straßen der Kategorie 2 nicht vorgesehen seien. "Eine isolierte Umbenennung der Dinghoferstraße ohne neue historische Erkenntnisse würde die einheitliche Systematik und das Gesamtergebnis der Untersuchung infrage stellen", so der SPÖ-Politiker. Sollten weitere Infos bekannt werden, die das historische Bild Dinghofers "wesentlich verändern", könne "selbstverständlich eine neuerliche fachliche Beurteilung erfolgen", meinte er weiter.