Hafenexplosion von Beirut am 4. August 2020 - Jugend-Eine-Welt-Geschäftsführer Heiserer: "Die Menschen im Libanon haben in den vergangenen Jahren eine Krise nach der anderen erlebt"
Wien/Beirut, 30.07.2026 (KAP) Sechs Jahre nach der verheerenden Hafenexplosion von Beirut erinnert die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt an die weiterhin dramatische Situation im Libanon. Im Zuge der Katastrophe am 4. August 2020 wurden große Teile der Hauptstadt zerstört, hunderte Menschen haben ihr Leben verloren. Aktuell stehe die Bevölkerung erneut vor einer humanitären Krise, erklärte Jugend-Eine-Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer in einer Aussendung. Als Auslöser nannte er die kriegerischen Konflikte zwischen dem Iran und Israel bzw. den USA, u. a. aufgrund der Angriffe der libanesischen Hisbollah auf Israel. Das einst prosperierende Land ist laut dem Hilfswerk "massiv destabilisiert" und Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.
"Die Menschen im Libanon haben in den vergangenen Jahren eine Krise nach der anderen erlebt. Die Hafenexplosion in Beirut, die schwere Wirtschaftskrise, die Pandemie und nun erneut Krieg und Vertreibung. Was besonders betroffen macht, ist, dass viele Familien nie die Chance hatten, sich von den früheren Schicksalsschlägen zu erholen", meinte Heiserer.
Seit Beginn der neuen Kampfhandlungen Anfang März sind besonders der Süden des Libanons, das Bekaa-Tal und die südlichen Vororte von Beirut betroffen. Während die Bombardierungen der Hauptstadt aktuell beendet sind, bleibt die Zerstörung laut Jugend Eine Welt vielerorts sichtbar: Ganze Wohnviertel sind beschädigt, zahlreiche Familien können nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren.
Laut Schwester Lina Abou Naoum, Projektpartnerin von Jugend Eine Welt in Beirut, benötigen derzeit 2,7 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe, darunter libanesische Staatsbürger, syrische und palästinensische Flüchtlinge sowie Arbeitsmigranten. "Mehr als eine Million Menschen haben kein Zuhause mehr. Tausende unschuldige Menschen wurden getötet, darunter Kinder, Frauen, ältere Menschen, Pflegekräfte und Rettungskräfte", so die Don Bosco-Schwester.
Der Alltag sei zu einem täglichen Überlebenskampf geworden und ein normales Leben existiere nicht mehr. "Die Menschen sind von Angst und Erschöpfung gezeichnet" meinte die Ordensfrau. Viele hätten nicht nur ihre Häuser, sondern auch Arbeitsplätze und Sicherheit verloren. "Viele Familien mussten innerhalb weniger Minuten fliehen und konnten nur die Kleidung mitnehmen, die sie am Körper trugen. Nun sind sie im eigenen Land obdachlos. Ganze Gemeinden wurden von der Landkarte ausgelöscht", berichtete Abou Naoum. Ferner habe die erneute Gewalt auch alte Traumata wieder aufbrechen lassen. Die Geräusche von Drohnen und Explosionen erinnern viele Menschen an die Hafenexplosion von 2020. Besonders Kinder und Jugendliche litten unter Angst, Schlafproblemen und fehlender Perspektive.
Bildung, medizinische Versorgung und Nothilfe
Gemeinsam mit den Don Bosco-Schwestern unterstützt Jugend Eine Welt die Menschen vor Ort mit Bildungsangeboten, medizinischer und psychologischer Hilfe sowie direkter Nothilfe. Das ehemalige Schulgebäude der Ordensgemeinschaft wurde in ein soziales und pädagogisches Zentrum umgewandelt, das heute Kindern, Jugendlichen und Familien einen sicheren Ort bietet.
Als größte Herausforderungen nannte das Hilfswerk die Versorgung mit Medikamenten, leistbarem Wohnraum und den Erhalt von Bildungsangeboten.