Kardinal Cupich: Kirche braucht mehr Prophetie bei Umweltbotschaft
30.07.202614:28
USA/Kirche/Umwelt/Krieg/Ethik/Religion
Fortsetzung des Erneuerungsweges für Chicagoer Erzbischof allerdings oberste Priorität - Krieg "immer erst dann, wenn jeder denkbare Weg des Dialogs ausgeschöpft wurde"
Bonn/Chicago, 30.07.2026 (KAP/KNA) Chicagos Kardinal Blase Cupich (77) wünscht sich Kirche als prophetische Stimme für den Schutz der Umwelt. Das sei eine der höchsten Prioritäten der Kirche für das kommende Jahrzehnt, zitierte die Nachrichtenagentur KNA am Donnerstag aus einem Gespräch Cupichs mit dem Portal katholisch.de. An erster Stelle stehe aber die Fortsetzung ihres Erneuerungsweges, den das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) eingeleitet habe.
Die Bischofskonferenzen sollten gegenüber Rom mehr Entscheidungskompetenzen erhalten, sagte Cupich. Papst Franziskus (2013-2025) habe mit Blick auf die Dezentralisierung bereits viel getan. "Entscheidungen sollen auf der niedrigstmöglichen Ebene getroffen werden, bevor Rom oder eine höhere Instanz eingreift", so der US-Kardinal.
Als eine weitere kirchliche Priorität nennt er im Interview eine richtige Interpretation der Lehre vom Gerechten Krieg. Diese werde zuletzt auf problematische Weise missbraucht. Die Lehre vom Gerechten Krieg sei immer als Einschränkung gedacht gewesen, betonte Cupich. "Heute wird sie wie ein Freibrief benutzt."
Missbrauch der Lehre vom Gerechten Krieg
Staaten griffen militärisch ein, so der Kirchenmann aus den USA; anschließend versuchten sie zu sagen: Wir können das mit der Lehre vom Gerechten Krieg rechtfertigen. "So funktioniert das nicht", kritisierte Cupich. "Man beginnt nicht mit dem Krieg. Man beginnt mit dem Frieden als erster Option." Krieg dürfe immer nur "als allerletzte Möglichkeit" in Betracht gezogen werden - "erst dann, wenn wirklich jeder denkbare Weg des Dialogs ausgeschöpft wurde".
Zum innerkirchlichen Diskurs sagte der US-Kardinal: "Die Kirche ist kein exklusiver Club." Die Menschen sagten: "Warum sollten wir euch Aufmerksamkeit schenken, wenn in eurem eigenen Haus so viel Zwietracht und Spaltung herrscht?" Die Kirchen dürften nicht zulassen, dass ihre inneren Auseinandersetzungen so öffentlich und so ausgeprägt werden, dass sie "die Wirkung unserer Stimme" in den entscheidenden Fragen schwächten.
Cupich gilt in der US-Bischofskonferenz als ein "Mann von Franziskus". Kurz nach seinem Amtsantritt in Chicago zog der Erzbischof aus dem Bischofshaus aus und in eine Wohnung auf dem Gelände der Kathedrale der Stadt um.
Cupich wurde im März 1949 in Nebraska geboren. Er studierte unter anderem in Rom und Washington. 1998 wurde er Bischof von Rapid City in South Dakota. Seit 2010 war er Bischof von Spokane im Bundesstaat Washington, bevor ihn Franziskus 2014 zum Erzbischof von Chicago ernannte.