Internationale Konferenz diskutiert Möglichkeiten gemeinsamen Einsatzes beider Traditionen zu mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit
Seoul, 30.07.2026 (KAP) Der Vatikan verstärkt seinen interreligiösen Dialog mit einer traditionsreichen asiatischen Denkschule: Anfang August findet in Südkorea erstmals eine internationale Konferenz zu den Beziehungen zwischen Christentum und Konfuzianismus statt. Das vom Dikasterium für den Interreligiösen Dialog organisierte Treffen soll Wege aufzeigen, wie beide Traditionen gemeinsam zu einer menschlicheren und gerechteren Gesellschaft beitragen können, berichtet das katholische Nachrichtenportal Ucanews.
Das Kolloquium unter dem Titel "Der Beitrag von Christentum und Konfuzianismus zu einer idealen Gesellschaft: Neuer Himmel, neue Erde und Große Einheit" findet vom 4. bis 5. August an der Sogang-Universität in Seoul statt. Erwartet werden Geistliche, Theologen, Philosophen und Wissenschaftler aus zwölf Ländern. Mitveranstalter sind unter anderem die Katholische Bischofskonferenz Koreas sowie die Sogang- und Sungkyunkwan-Universität.
An der Begegnung nimmt voraussichtlich auch Kardinal George Jacob Koovakad teil, der Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für den Interreligiösen Dialog. Thematisch stehen unter anderem universale Geschwisterlichkeit, verantwortungsvolle Führung, eine ethische Gesellschaftsordnung und ökologische Verantwortung im Mittelpunkt.
Die Veranstalter wollen dabei Verbindungen zwischen der christlichen Vorstellung eines "neuen Himmels und einer neuen Erde" aus der Offenbarung des Johannes und dem konfuzianischen Ideal der "Großen Einheit" (Datong) herstellen. Ziel sei es, gemeinsame Werte zu entdecken und den Austausch zwischen beiden Traditionen zu vertiefen. Die Ergebnisse der Konferenz in Seoul sollen anschließend in der Zeitschrift "Acta Pro Dialogo" des vatikanischen Dikasteriums veröffentlicht werden.
Eher Philosophie als Religion
Der Konfuzianismus geht auf die Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius zurück und legt besonderen Wert auf moralische Selbstbildung, familiäre Verantwortung, Respekt gegenüber Vorfahren und harmonische gesellschaftliche Beziehungen. Anders als das Christentum versteht er sich nicht als Religion im klassischen Sinn, sondern vor allem als ethische und philosophische Tradition.
Der Vatikan beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren intensiver mit dem Dialog mit konfuzianisch geprägten Gemeinschaften. 2024 veranstaltete das Dikasterium gemeinsam mit der Fu-Jen-Universität in Taiwan eine Studiengruppe zur Entwicklung von Leitlinien für den christlich-konfuzianischen Austausch.
2025 folgte ein weiterer Workshop zu Perspektiven dieser Zusammenarbeit. Der Untersekretär des Dikasteriums, Pater Paulin Batairwa Kubuya, hatte dabei betont, dass beide Traditionen als "Weisheitstraditionen" verstanden werden könnten. Besonders die konfuzianische Betonung von Verantwortung, gutem gesellschaftlichem Verhalten und geordnetem Zusammenleben weise Berührungspunkte mit christlichen Vorstellungen auf.
Der Dialog gilt als weiterer Schritt des Heiligen Stuhls, Brücken zwischen Kulturen und religiösen Traditionen zu bauen. Er findet zudem im Vorfeld eines geplanten Besuchs von Papst Leo XIV. in Südkorea statt. Der Papst wird zum Weltjugendtag in Seoul erwartet, zu dem vom 3. bis 8. August 2027 junge Menschen aus aller Welt zusammenkommen.