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Neues Hoch bei Schwangerschaftsabbrüchen in den USA

30.07.2026 14:10
USA/Schwangerschaftsabbruch/Kirche/Gesellschaft
Zahl unter Präsident Trump deutlich angestiegen - US-Bischöfe wollen Problematik der Abtreibungspillen gezielt ansprechen und kündigen breite Kampagne an - Hintergrundbericht von Tobias Käufer (KNA)
Washington, 30.07.2026 (KAP/KNA) Sogar entlang des US-Highways ist das Thema omnipräsent. "Jede Abtreibung tötet jemanden, den Gott geschaffen hat", steht auf einem großen Plakat unter einer Burger-Werbung vor der Ausfahrt nach Williamsburg im Bundesstaat Kansas. Ein paar Meilen südlich vor Wichita wird für eine Alternative geworben: "Adoption heißt nicht aufgeben, sondern Leben zu schenken". In urbanen Ballungsgebieten wie New York hält die Familienberatungsstelle "Planned Parenthood" (Geplante Elternschaft) auf einem eigenen Plakat dagegen: "Das ist reproduktive Freiheit."

Kaum eine Debatte in den USA ruft so emotionale Reaktionen hervor wie jene um Schwangerschaftsabbrüche. Die katholische Kirche im Land will angesichts der aktuellen Zahlen erneut zu "Gebet und Handeln" aufrufen. Anlass dafür ist eine aktuelle Schätzung des Instituts Guttmacher, die von einem deutlichen Anstieg der Abtreibungen berichtet. Demnach hat es 2025 landesweit 1,12 Millionen Abbrüche gegeben. Das wäre ein deutlicher Anstieg von 21 Prozent binnen fünf Jahren.

Die Kritik der US-Kirche richtet sich vor allem gegen die zunehmende Verfügbarkeit von Abtreibungspräparaten. "Jede Abtreibung bedeutet den Tod eines Kindes und eine Schädigung der Mutter. Da Abtreibungspillen nun leichter zugänglich sind, steigt die Abbruchrate auf tragische Weise an, verbunden mit erhöhten Gesundheitsrisiken", werden Erzbischof Paul Coakley aus Oklahoma City und Bischof Daniel Thomas aus Toledo zitiert. Coakley ist Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, Thomas leitet deren Ausschuss für Pro-Life-Aktivitäten.

Abtreibungspille 2019 genehmigt

Die Abtreibungszahlen in den USA erreichten zum Ende der Präsidentschaft von Barack Obama (2009-2017) mit rund 862.000 ihren Tiefstand, stiegen dann aber mit der ersten Amtszeit von Donald Trump wieder an. In dessen Regierungszeit fiel 2019 auch die Genehmigung der sogenannten Abtreibungspille. Inzwischen sollen Schätzungen zufolge sechs von zehn Schwangerschaftsabbrüchen in den USA mithilfe von Medikamenten erfolgen.

Dazu kommen in den vergangenen Jahren unterschiedliche juristische Entscheidungen auf dem Feld der Schwangerschaftsabbrüche. Ein Großteil der rechtlichen Konflikte habe sich daher von den Bundes- auf Landesgerichte der Einzelstaaten (State Courts) verlagert, erklärt ein Sprecher des "Zentrums für reproduktive Rechte".

"Abtreibungsindustrie per Versandhandel"

Die regionalen Gerichte entschieden nun erstmals, ob die Verfassung ihres Bundesstaates entsprechenden Schutz vorsehe. Jeder State Court könne inzwischen unabhängig vom Obersten Gerichtshof in Washington entscheiden, ob die Landesverfassung ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch schütze.

Die US-Bischöfe monieren wiederum, dass die für die Medikamentenzulassung zuständige Bundesbehörde "eine landesweite Abtreibungsindustrie per Versandhandel ermöglicht, indem sie zulässt, dass Abtreibungspillen im Rahmen von Telemedizin-Terminen verschrieben und sowohl in Apotheken vor Ort als auch online verkauft werden".

Risiko von Zwangsabtreibungen

Dadurch würden staatliche Gesetze zum Lebensschutz im Mutterleib umgangen, argumentieren die Bischöfe. Frauen seien der Gefahr ausgesetzt, eine Abtreibung allein zu Hause und ohne jede medizinische Aufsicht durchzumachen, kritisieren sie - und weisen zudem auf das Risiko von Zwangsabtreibungen hin. Dies schaffe zusätzliche Möglichkeiten für eine Ausbeutung durch gewalttätige Partner oder Menschenhändler.

Von Mitte August bis Ende Oktober will die Kirche das Thema nun gezielt öffentlich diskutieren. Die US-Bischofskonferenz ruft alle Katholiken auf, sich der "gezielten Gebets- und Aktionsinitiative anzuschließen, um die Verbreitung von Abtreibungspillen zu stoppen".
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