Grußwort des Innsbrucker Bischofs an Teilnehmende der Kundgebung von "Jugend für das Leben" - Ganze Gesellschaft trägt für Lebensschutz Verantwortung - "Abtreibung ist keine Gesundheitsleistung" - Ablehnung von Leihmutterschaft
Innsbruck, 01.08.2026 (KAP) Eine Gesellschaft zeigt ihre wahre Menschlichkeit damit, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Das hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler anlässlich einer Kundgebung der "Jugend für das Leben" am Samstag in Innsbruck betont. Der Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens sei kein Anliegen einer einzelnen Gruppe, "sondern eine gemeinsame Verantwortung für unsere ganze Gesellschaft", so der Bischof in einem Grußwort an die Teilnehmenden der Veranstaltung. Er rief zugleich zum Gebet für den umfassenden Schutz des Lebens auf.
"Jedes Kind - vom Augenblick seiner Empfängnis an - ist ein einzigartiges und wertvolles Geschenk Gottes", so Glettler wörtlich: "Als Christinnen und Christen sind wir gerufen, dort Zeugnis zu geben, wo Menschen Schutz und Hoffnung brauchen." Dieses Anliegen verbinde viele Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Überzeugungen, so der Bischof. Zugleich hielt er fest: "Abtreibung ist keine Gesundheitsleistung. Aus diesem Grund gehört sie nicht in die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen." Das Grußwort des Bischofs wurde bei der Veranstaltung verlesen, die um 13 Uhr auf dem Innsbrucker Landhausplatz begann.
Lebensschutz dürfe nicht zu einer ideologischen oder parteipolitischen Frage werden, betonte Glettler: "Weder die Debatte über Abtreibung noch andere Fragen am Beginn und Ende des Lebens dürfen radikalisiert oder für gesellschaftliche Polarisierung missbraucht werden. Die Würde jedes Menschen steht über politischen Lagern und weltanschaulichen Gegensätzen." Gerade bei sensiblen Fragen brauche es "Respekt, Dialogbereitschaft und die gemeinsame Suche nach Lösungen, die dem Menschen dienen".
Für eine "Kultur des Lebens, die nicht verurteilt"
Es brauche "eine Kultur des Lebens, die nicht verurteilt, sondern begleitet; die nicht allein lässt, sondern hilft; die Frauen und Familien in schwierigen Situationen Unterstützung, Ermutigung und echte Hoffnung schenkt". Eine solche Kultur des Lebens verbinde den Schutz des ungeborenen Lebens mit einer umfassenden Sorge um Frauen, Familien, Kranke, Menschen mit Behinderung, alte Menschen und alle, die auf Unterstützung angewiesen sind.
Die Antwort auf schwierige Schwangerschaftssituationen dürfe in einer lebens- und menschenfreundlichen Gesellschaft nicht die Beendigung eines Lebens sein. Sie müsse vor allem darin liegen, Frauen und Familien verlässlich zu begleiten und ihnen konkrete Hilfen und Perspektiven anzubieten.
Leihmutterschaft widerspricht Menschenwürde
Mit klaren Worten sprach sich Bischof auch gegen Leihmutterschaft aus. Bei allen persönlichen Schicksalen und verständlichen Sehnsüchten nach einem Kind dürfe man die grundlegende Frage nach der Würde jedes Menschen nicht aus dem Blick verlieren. "Ein Kind ist niemals das Ergebnis eines Anspruchs oder eines Vertrages, sondern immer Geschenk und eigene Person. Ebenso verdient jede Frau Achtung und Schutz vor jeder Form der Instrumentalisierung ihres Körpers", erklärte Bischof Glettler.
Anliegen der Kirche sei es, aufzurichten und nicht zu verurteilen, so der Bischof. Er danke allen, die sich mit Respekt, Verantwortung und Menschlichkeit für die Würde des Lebens einsetzen. "Jeder Beitrag, der Verständnis fördert, konkrete Hilfe ermöglicht und Menschen zusammenführt, stärkt unsere Gesellschaft", schloss Glettler.
Er ermutigte alle Tirolerinnen und Tiroler, für den umfassenden Schutz des Lebens zu beten: "Beten wir für alle ungeborenen Kinder und ihre Eltern, für Frauen in belastenden Schwangerschaften, für Familien mit unerfülltem Kinderwunsch, die oft einen schweren Weg gehen. Beten wir darum, dass unsere Gesellschaft Wege findet, die von Mitgefühl, Gerechtigkeit und der unantastbaren Würde jedes Menschen geprägt sind. Beten wir, dass alle Kinder, die empfangen wurden, auch zur Welt kommen dürfen!"