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50. Todestag des argentinischen Märtyrerbischofs Angelelli

02.08.2026 10:30
Argentinien/Menschenrechte/Christentum/Geschichte/Menschenrechte/Kirche/Geschichte
In der tiefen Krise des Landes könnten nicht dieselben Menschenrechtsstandards gelten wie im Frieden. Mit diesen Worten billigte Argentiniens Bischofskonferenz Verbrechen des Militärregimes. So wurde auch einer der ihren ermordet - Von Alexander Brüggemann
Bonn/Buenos Aires, 02.08.2026 (KAP/KNA) Nein, die argentinischen Bischöfe waren sich damals keineswegs einig, wie mit den Menschenrechten der Bürger umzugehen sei. Während der Militärdiktatur (1976-1983) verschwanden rund 30.000 Menschen: verschleppt in landesweit rund 500 Folterzentren, die meisten getötet, mit dem Flugzeug über dem Meer abgeworfen.

Auch viele Kirchenvertreter gerieten ins Visier von staatlich beauftragten Mördern: jene "Linken", die sich für die Belange der Unterdrückten einsetzten. Einer von ihnen war der Bischof von La Rioja, Enrique Angelelli Carletti, der am 4. August 1976, vor 50 Jahren, brutal beseitigt wurde.

Im Umfeld des Militärs - und in Teilen des Episkopats - machte man Mitte der 1970er-Jahre die peronistische Regierung für linke Gewalt und grassierendes Chaos im Land verantwortlich. Als General Jorge Videla (1925-2013) im März 1976 unter dem Zeichen der "Ordnung" gegen das ineinander verkämpfte peronistische Lager putschte, sagten viele im Land befriedigt: "Endlich, die schwarze Scheiße geht!" Dabei wurde der Bock gerade zum Gärtner.

Unmittelbar nach dem Putsch setzte Staatsterror von rechts ein: nächtliche Abholaktionen, Folter, Verschwindenlassen. "Reinigungsprozess" wurde das genannt - und mit Zustimmung einiger Bischöfe und teils aktiver Unterstützung von Priestern durchgeführt.

Argentiniens Bischofskonferenz erklärte am 15. Mai 1976, dass es nicht im Sinne des Gemeinwohls wäre zu glauben, "dass Sicherheitskräfte mit der gleichen chemischen Reinheit agierten wie in Friedenszeiten". Da das Land aber eine tiefe Krise durchlebe, könnten nicht dieselben Maßstäbe gelten. - Das war am Ende nichts anderes als ein Persilschein für obrigkeitliche Menschenrechtsvergehen.

Es war ein Auftragsmord

Angelelli gehörte dagegen jener Minderheit der Bischöfe an, die die Verbrechen der Junta furchtlos anprangerten. Sein Leitspruch: "Mit einem Ohr am Evangelium und mit einem Ohr beim Volk." Zu den Opfern der ersten Monate gehörten auch zwei Priester seines Bistums La Rioja, Carlos Murias und Gabriel Longueville. Die Umstände ihrer Ermordung liegen bis heute im Dunkeln. Angelelli reiste persönlich in das Dorf Chamical, um die Vorgänge aufzuklären und die beiden zu beerdigen.

Am 4. August 1976, auf der Rückfahrt, wurde Angelellis Wagen von einem weißen Peugeot abgedrängt. Nach einer Vollbremsung überschlug sich das Auto. Als Angelellis Beifahrer später das Bewusstsein wiedererlangte, fand er den Bischof einige Meter entfernt mit eingedrücktem Schädel, die Arme wie am Kreuz ausgestreckt. Belastende Dokumente, die auch eine Verstrickung von Bischöfen belegten, waren sowohl aus dem Auto wie aus der gründlich durchstöberten Wohnung Angelellis verschwunden.

Die offizielle Version eines schlechten Autofahrers, der durch eigenes Verschulden ums Leben gekommen sei, wurde von der Bischofskonferenz nicht angefochten. Erst nach dem Ende der Diktatur kam eine gerichtliche Untersuchung zu dem Schluss: Es war ein Auftragsmord.

Bergoglio ergriff Partei

Zum 30. Jahrestag des Mordes 2006 sagte Kardinal Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, in der Kathedrale von La Rioja: "Bischof Angelelli war ein Mann, der sein Volk liebte und es auf seinem Weg begleitete, bis in die Randbezirke (...). Erinnern wir uns, mit welcher Zärtlichkeit er die alten Menschen liebkoste, mit welcher Liebe er sich für die Armen und Kranken einsetzte und nach Gerechtigkeit rief. Er war überzeugt, dass im Inneren jedes Menschen (...) ein Plan Gottes verborgen sei."

Als Bergoglio - zu Diktaturzeiten Provinzial der argentinischen Jesuiten und mit Angelelli gut bekannt - 2013 zu Papst Franziskus wurde, bekam der Ermordete einen starken Fürsprecher im Vatikan. Im Juli 2014, fast 38 Jahre nach der Tat, wurden schließlich zwei Ex-Militärs zur Verantwortung gezogen und zu lebenslanger Haft verurteilt: die Ex-Generäle Luciano Benjamin Menéndez und Luis Fernando Estrella. Beide sind inzwischen gestorben.

2015 kündigte Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel (94) an, selbst ein Folteropfer von damals, der Papst und die heutige Bischofskonferenz wollten vatikanische und argentinische Akten zur juristischen Aufarbeitung der Diktatur zur Verfügung stellen. In Argentinien hat das Gedenken an Enrique Angelelli heute eine ähnliche Bedeutung wie das Vermächtnis des Märtyrerbischofs Óscar Romero in El Salvador.

2019 wurden Angelelli, die beiden Priester Murias und Longueville sowie der Familienvater Wenceslao Pedernera als Märtyrer seliggesprochen - als Vorbilder und als Mahnung an Argentiniens dunkelste Zeit. Dieser Tage eröffnet in der Provinz La Rioja der Themenpark "Memoria y Martirio", der ihr Leben, Wirken und Martyrium würdigt.
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