Theologe Csaba Török im Dialog mit Jugendlichen: Kirche muss "solidarisch und kritisch" in der Gesellschaft präsent sein - Evangelium "kein politisches Programm" - von Kathpress-Korrespondentin Eva Trauttwein
Budapest, 04.08.2026 (KAP) Beim größten ungarischen Kunstfestival, dem "Müvészetek Völgye" (Tal der Künste), gab es heuer erstmals einen eigenen katholischen Veranstaltungsort. Der von jungen Menschen mit Jesuitenbezug initiierte "katholische Hof" wurde mit Unterstützung der Erzdiözese Esztergom-Budapest umgesetzt. Während des Festivals diskutierten Priester und Ordensleute mit jungen Menschen über Glauben, Gesellschaft und Herausforderungen der jungen Generation. Das Festival endete am Montag und zählt mit rund 4.200 Veranstaltungen an 40 Orten zu den größten Kulturveranstaltungen Ungarns.
Das seit 35 Jahren im Balaton-Oberland stattfindende Festival umfasst Musik, Theater, Literatur, Ausstellungen und Workshops. Reformierte Christen sind dort seit 20 Jahren mit einem eigenen Hof vertreten, Lutheraner seit zehn Jahren.
Über das Verhältnis von Christentum und Politik sowie die Rolle der Kirche in der Gesellschaft sprach Csaba Török, Pfarrer der Basilika von Esztergom. Török warnte davor, die Zukunft der Kirche vor allem über Institutionen sichern zu wollen. Entscheidend seien lebendige christliche Gemeinschaften. "Die lebendige Ortsgemeinde ist das Erste, von ihr hängt alles ab. Dort entscheidet sich, ob wir zeigen können, dass unsere christlichen Gemeinschaften aktive, lebendige und aufbauende Glieder der ungarischen Gesellschaft sind", so der Professor am Erzbischöflichen Priesterseminar. Das Christentum beginne zudem "nicht an der Kirchentür", sondern umfasse auch menschliche, kulturelle und gesellschaftliche Beziehungen.
Evangelium "kein politisches Programm"
Mit Blick auf die Politik betonte Török, das Evangelium sei kein politisches Programm. Das Christentum müsse vielmehr wie "Salz und Sauerteig" wirken. "Die entscheidende Frage ist nicht, ob das Christentum zur Mehrheit wird oder allein herrscht, sondern ob es dauerhaft präsent ist." Diese Präsenz müsse kritisch sein, den gesellschaftlichen Dialog fördern und Alternativen aufzeigen, ohne danach zu streben, den öffentlichen Raum zu beherrschen.
Angesichts der zunehmenden Polarisierung in Ungarn hielt Török fest, dass selbst die Wahrnehmung von Tatsachen auseinandergehe. Deshalb brauche es Räume für Austausch und gegenseitiges Zuhören. Auch der Klerus sei dabei kein einheitlicher Block. "Über manche Themen können wir nicht einmal sprechen." Doch die notwendige Distanz zur Parteipolitik bedeute nicht, zu gesellschaftlichen Fragen zu schweigen.
"Glaube muss stärker sein als Konflikte"
Vielmehr müsse die Kirche eine eigenständige Stimme entwickeln, anstatt sich einem politischen Lager anzuschließen. "Die Stimme der Kirche ist eine unter tausend - selbst wenn ich überzeugt bin, dass ich Gottes Stimme verkünde, bleibt meine Stimme eine unter den anderen. Gerade deswegen muss sie sich zu Wort melden. Es spielt keine Rolle, wer König ist - die Aufgabe der Kirche bleibt immer dieselbe. Sie hat einen Auftrag: Sie ist die prophetische Stimme."
Besorgt zeigte sich der Theologe darüber, dass sich ein Teil der Gesellschaft von der Kirche entfernt habe, weil viele Menschen nicht mehr das Gefühl hätten, dass die Kirche ihre Lebensrealitäten teile und solidarisch anspreche. Angesichts der gesellschaftlichen Spannungen rief Török schließlich dazu auf, die Auseinandersetzung um die Frage, wer Recht habe, zu überwinden. Der gemeinsame Glaube müsse stärker sein als vergangene Konflikte. Für die gegenwärtige Situation riet Török zu Zurückhaltung: "Es wäre gut, dem Wort 'christlich' jetzt eine Pause zu geben. Die christliche Präsenz muss sich nun im alltäglichen Leben und in den menschlichen Beziehungen zeigen."