Weitere Funde bei Ausgrabungen an Vilnius-Synagoge freigelegt
05.08.202609:58
Litauen/Synagoge/Judentum/Krieg/Archäologie
Große Synagoge im litauischen Vilnius wurde im Holocaust zerstört - Zentrale Bima, bunte Böden und Tafeln mit Namen von Gemeindemitgliedern entdeckt
Vilnius, 05.08.2026 (KAP/KNA) Archäologische Ausgrabungen am Standort der im Holocaust zerstörten Großen Synagoge im litauischen Vilnius haben etliche bedeutende Funde hervorgebracht. So sei jetzt die zentrale Bima der Synagoge - das Pult, an dem aus der Thora gelesen wird - vollständig freigelegt worden, teilte die israelische Antikenbehörde am Dienstag mit, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete.
Die Ausgrabungen hatten demnach bislang etwa auch Bereiche der Hauptgebetshalle und der Frauengalerie, bunte Böden und Tafeln mit Namen von Gemeindemitgliedern freigelegt, die an den Sitzen angebracht waren. Die Arbeiten und Forschungen liefen bereits seit 2011, hieß es.
Beteiligt seien neben den israelischen und litauischen Akteuren auch die jüdische Gemeinschaft des baltischen Landes. Ziel sei, die Überreste der Synagoge zu erhalten, der Öffentlichkeit zu präsentieren und den Ort zum Nutzen für die jüdische Gemeinschaft, aber auch der Allgemeinheit zu entwickeln.
Blick auf früheres Gemeindeleben
Die Entfernung des Gebäudes, das an der Stelle der Großen Synagoge stand, habe "erstmals weitere umfangreiche und durchgehende Abschnitte im Herzen des Gebäudes" möglich gemacht, erklärten die Ausgrabungsleiter Jon Seligman und Justinas Racas. Die vielen bisherigen Funde böten eine "bewegende, fast persönliche Begegnung" mit den Menschen, die einst in der Synagoge gebetet hätten. Das betreffe auch das Gemeindeleben, das sich im Laufe der Jahrhunderte um die Synagoge entwickelt habe.
Die einst größte Synagoge der Stadt wurde laut Antikenbehörde im 17. Jahrhundert im Renaissance-Barock-Stil errichtet. Sie war das Kernstück des jüdischen Thora- und Studienzentrums "Shulhoyf", zu dem unter anderem zwölf Synagogen und Gebetsräume, ein Badehaus sowie Ritualbäder gehörten. Das Gebäude wurde in der NS-Zeit von Nationalsozialisten geplündert und in Brand gesteckt. In den 1950er Jahren wurde es durch die Sowjetbehörden vollständig abgerissen.