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Philippe Sly in Saint François d’Assise bei den Salzburger Festspielen
Kultur
Bild Copyright: © Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus

Salzburg: Opernstar bereitete Franziskus-Rolle im Kapuzinerkloster vor

05.08.2026 09:48
Österreich/Glaube/Kirche/Kunst/Kultur/Oper/Musik/Orden
Kanadischer Bassbariton im Rupertusblatt-Interview: Bibelstudium und Klosterleben für Verständnis der Rolle essenziell
Salzburg, 05.08.2026 (KAP) Um sich für seine Titelrolle in Olivier Messiaens monumentaler Oper Saint François d'Assise bei den Salzburger Festspielen vorzubereiten, hat der kanadische Bassbariton Philippe Sly auf ungewöhnliche Methoden zurückgegriffen: Für zweieinhalb Monate ist er ins Kapuzinerkloster Salzburg eingezogen, wie der Sänger im Interview mit dem Rupertusblatt (aktuelle Ausgabe) erzählte. "Messiaens Musik ist außerordentlich komplex und die Partie des Franziskus ist sehr lang und anspruchsvoll. Mir wurde früh klar, dass man Franziskus nicht allein intellektuell verstehen kann. Sein Glaube erschließt sich durch das Leben, durch die Praxis", so Sly.

Olivier Messiaens einzige Oper Saint François d'Assise zeichnet die spirituelle Entwicklung des heiligen Franz von Assisi nach und stellt in einzelnen Episoden prägende Stationen aus dem Leben des Heiligen dar - von der Begegnung mit dem Aussätzigen bis zur mystischen Vereinigung mit Gott. Der französische Komponist verbindet darin Texte aus den Evangelien, den Paulusbriefen und vielen anderen Stellen. Da die Oper praktisch aus Bibelzitaten bestehe, sei auch das tägliche Lesen in der Bibel für seine Rolle unverzichtbar gewesen, schilderte Sly.

Zu Beginn seiner Vorbereitung habe er die Rolle als "große Last" empfunden. Das Leben mit den Ordensbrüdern habe nach und nach dazu geführt, dass er "in einen Zustand des Flow" versetzt worden sei. "Ich bin überzeugt, dass Gebet, Stille und Gemeinschaft wesentlich dazu beigetragen haben", berichtete der Starsänger. So oft wie möglich habe er an den Laudes teilgenommen, die Vesper besucht und auch die Heilige Messe am Sonntag sei ein Fixpunkt für ihn gewesen.

Innerer Frieden

Schließlich habe ihm die Ordnung des Klosterlebens mit seinen Gebets- und gemeinsamen Essenszeiten geholfen, sich von inneren Zwängen zu befreien und tiefen Frieden zu finden. "Das Tourneeleben kann sehr unruhig sein. Man ist allein, sucht Ablenkung oder versucht, die Einsamkeit zu überspielen. Hier ist alles anders", schilderte der Opernsänger seine Erfahrung.

Auch sein Verständnis des Schauspielberufs habe sich durch die Auseinandersetzung mit der Figur des Franziskus verändert. Die Branche sei von ständigem Wettbewerb sowie von einem starken Bewusstsein für das eigene Image und die Wahrnehmung durch andere geprägt, sagte der Künstler. Dies stehe im deutlichen Gegensatz zu der Lebensvision des heiligen Franziskus. Im Mittelpunkt sollten Fragen nach der Erfüllung der eigenen Aufgaben, einem guten Miteinander im Kollegenkreis und dem Beitrag zu einem Arbeitsumfeld stehen, in dem sich alle gegenseitig unterstützen und weiterentwickeln können.

Aufführungen

Die Neuinszenierung von Saint François d'Assise in der Regie von Romeo Castellucci feierte am Dienstag (4. August) ihre Premiere. Weitere Aufführungen finden am 9., 12., 15., 19. und 23. August in der Felsenreitschule statt. (Info: https://www.salzburgerfestspiele.at/p/saint-francois-dassise-2026)

Die Uraufführung von Olivier Messiaens Saint François d'Assise fand 1983 in Paris statt, die erste große Salzburger Aufführung erfolgte 1992 bei den Salzburger Festspielen unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano und in der Inszenierung von Herbert Wernicke.
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