2.300 zusätzliche Wohnungen auf knapp 20 Hektar Land - Israelische Aktivisten stellen sich gegen das Vorhaben der Regierung
Jerusalem, 05.08.2026 (KAP/KNA) Bürgerrechtler warnen vor den Konsequenzen des anhaltenden Siedlungsbaus zwischen Jerusalem und Bethlehem. Konkret kritisiert die israelische Organisation Ir Amim (Stadt der Völker), die sich für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern einsetzt, den Weiterbau der Siedlung Gilo im Südwesten Jerusalems. Die israelische Regierung würde mit dem Ausbau Ostjerusalem territorial vom Süden des besetzten Westjordanlandes trennen, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse.
Wegen des Ausmaßes, der Lage und der symbolischen Bedeutung handele es sich um ein erhebliches Projekt. "Zusammen mit anderen Siedlungsprojekten, die im Süden Ostjerusalems vorangetrieben werden, trennt es Ostjerusalem weiter vom Raum Bethlehem ab und vertieft die israelische Kontrolle über eines der strategisch sensibelsten Gebiete rund um die Stadt", zitierte die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA Aviv Tatarsky, Forscher bei Ir Amim.
Demnach sollen 2.300 weitere Wohnungen auf knapp 20 Hektar Land in Gilo gebaut werden. Damit würde Gilo bis zur Schnellstraße 60 ausgedehnt, der wichtigsten Nord-Süd-Achse durch das Westjordanland. Für das Vorhaben würden mindestens 2,8 Hektar palästinensisches Land genutzt, das Israel nach dem Gesetz über das Eigentum Abwesender beschlagnahmt und zu Staatsland deklariert hat, so Ir Amim unter Verweis auf einen Beschluss des zuständigen Planungs- und Bauausschusses vom 28. Juli. Ferner sei weiteres Land in den Plänen verzeichnet - die Besitzer sind als unbekannt eingetragen.
Bei dem Land handelt es sich um historisch zu dem christlichen Dorf Beit Dschalla gehörende landwirtschaftliche Flächen, darunter große alte Olivenhaine, für Ir Amim ein weiterer Beleg, "dass es sich bei dem Gebiet um privates palästinensisches Land handelt". Die Organisation befürchtet zudem die Rodung der Olivenhaine bei Baubeginn.