Auszeichnungen der Salzburger Hochschulwochen für Nachwuchswissenschaftler gingen heuer an Barbara Engelmann, Philipp Müller und Paula Schütze
Salzburg, 06.08.2026 (KAP) Die Tübinger Nachwuchstheologin Barbara Engelmann hat den ersten Preis der sogenannten "Publikumspreise" der Salzburger Hochschulwochen 2026 gewonnen. Die Preise wurden am Donnerstagnachmittag in Salzburg verliehen. Der Publikumspreis ist nach dem "Theologischen Preis" die zweite Auszeichnung, die im Rahmen der Hochschulwochen vergeben wird. Würdigt der "Theologische Preis" ein Lebenswerk, so versteht sich der Publikumspreis als Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler der Jahrgänge 1990 und jünger.
Eine Fachjury hatte im Vorfeld aus den Einreichungen drei anonymisierte Vorträge ausgewählt, die sich mit dem Thema der heurigen Hochschulwoche - "Wer wir sind und sein wollen. Identität: Superkraft und Problemzone" - befassen mussten. Die Zuhörer hatten dann die Möglichkeit, die Vorträge nach fachwissenschaftlicher Qualität, inhaltlicher Originalität sowie im Blick auf die kommunikative Transferleistung zu bewerten. Die Preise sind mit 1.000, 500 und 300 Euro dotiert. Der zweite Preis ging an den Chemiker, Ethiker und Materialwissenschaftler Philipp Müller; der mit 300 Euro dotierte dritte Preis ging an die Aachener Theologin Paula Schütze.
In ihrem Siegervortrag zeigte Engelmann am Beispiel der Frage, wie Menschen "gesundes" oder "behindertes" Leben einteilen bzw. kategorisieren, dass Identitätsfragen immer auch Fragen von sozialen Zuschreibungen sind. Eine wirklich inklusive Gesellschaft könne jedoch erst dort entstehen, wo die Vielfalt und Diversität menschlicher Verkörperungen als gleichwertig anerkannt werden und Differenzen nicht unter dem Blickwinkel "zu kurierender Defizite" betrachtet würden. "Wer wir sein wollen, entscheidet sich deshalb auch in den vielen kleinen Verschiebungen unserer Wahrnehmung von Normalität, Gesundheit und Behinderung und in der Bereitschaft, unsere eigenen Maßstäbe von Normalität kritisch zu hinterfragen", so Engelmann.
Der zweitplatzierte Philipp Müller ging in seinem Vortrag den zunehmend instabilen Identitäten bzw. der Identitätssuche speziell bei Männern nach. Unter dem Druck sich auflösender Rollenbilder würden vor allem Männer vermehrt vor Identitätsproblemen stehen und Orientierung nicht selten in vermeintlich einfachen Antworten überkommener, von "harter Männlichkeit" geprägten Rollenbildern suchen. Eine "reife Männlichkeit" hingegen würde nicht in "Verhärtung", sondern sich in Verantwortungsbereitschaft, Verlässlichkeit und Verletzbarkeit bestehen. Er plädiere daher dafür, Identität nicht als "festen Kern", sondern als "Beziehungsgeschehen" zu betrachten.
Die drittplatzierte Paula Schütze beleuchtete Identitätskonzepte im Zusammenhang mit Herrschaftsansprüchen. Identität sei gewissermaßen ein "Januswort": "Einerseits meinen wir damit das uns je Eigene, zum anderen meinen wir damit die Gleichförmigkeit des Vielen." Damit könne Identität immer auch politisch als Herrschaftsmittel missbraucht werden ("Identitätspolitik"). Dagegen hielt Schütze mit dem Philosophen Theodor W. Adorno fest, dass Identität nichts Festes bzw. Feststellbares sei, sondern immer auch ein Moment der "Nichtidentität" kenne. Die Frage "Wer bist du?" könne daher nie eindeutig beantwortet werden, da sie immer durch neue Relationen auf ein buntes "Identitätsmosaik" verweise.
Biografische Notizen
Barbara Engelmann, geboren 1991, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Universität Tübingen. Sie studierte Katholische Theologie in Münster und absolvierte zuvor ein Lehramtsstudium in Köln. Seit 2022 ist sie in Tübingen tätig und war zuvor in Forschung und Lehre in Köln eingebunden. 2026 schloss sie ihre Promotion in Fundamentaltheologie ab. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in theologischer Anthropologie sowie Gender-, Intersektionalitäts- und Disability Studies.
Philipp Müller, geboren 1998, studierte Angewandte Chemie (B.Sc.) an der Hochschule Reutlingen und absolvierte begleitend das Ethikum an der Hochschule Karlsruhe. Danach schloss er den Master of Science in Angewandten Materialwissenschaften an der Hochschule Furtwangen ab, wobei seine Masterarbeit mit dem Friedrich-von-Schoen-Innovationspreis der EGT AG ausgezeichnet wurde. Seit Juli 2025 ist er als Entwicklungsingenieur für Biomaterialien bei der KLS Martin Group tätig
Paula Schütze, geboren 1996, studierte Katholische Theologie und Deutsch auf Lehramt, nach der Promotion über Gottesrede, Nichtidentität und Metaphern arbeitet sie derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Systematischen Theologie an der RWTH Aachen.
Die Hochschulwochen stehen heuer unter dem Generalthema "Wer wir sind und sein wollen. Identität: Superkraft und Problemzone". Sie dauern noch bis 9. August. (Infos: www.salzburger-hochschulwochen.at)