Indien: Kirchen gegen Verschärfung der Regeln für Auslandsspenden
07.08.202615:09
Indien/Kirche/Politik/Religion/Finanzen/Ökumene
Ökumenische Delegation fordert Innenminister Shah zu Änderungen an geplantem Gesetz auf - Sorge um kirchliche Hilfsarbeit
Neu-Delhi, 07.08.2026 (KAP) Indische Kirchenvertreter haben die Regierung aufgefordert, geplante Änderungen am Gesetz über ausländische Finanzierungen von Hilfsorganisationen zu überarbeiten. Eine 17-köpfige ökumenische Delegation, darunter Vertreter der katholischen Kirche, traf dazu am Donnerstag mit Innenminister Amit Shah im Parlament in Neu-Delhi zusammen. Die Kirchen befürchten insbesondere weitreichende Folgen für kirchliche Sozial- und Hilfsarbeit, so das asiatische Nachrichtenportal UCA News.
Die Kritik richtet sich speziell gegen eine geplante Regelung, nach der der Staat Vermögenswerte übernehmen könnte, die mit ausländischen Spenden finanziert wurden. Dies soll möglich werden, wenn die Registrierung einer Organisation für den Empfang ausländischer Gelder ausgesetzt, aufgehoben, zurückgegeben oder nicht verlängert wird. Auch ein automatisches Erlöschen der Registrierung bei einer verweigerten oder versäumten Verlängerung lehnen die Kirchen ab.
"Wir haben den Minister aufgefordert, das Gesetz nicht zu überstürzen, sondern eine Regelung zu erarbeiten, die die Anliegen aller Beteiligten berücksichtigt", sagte Asir Ebenezer, Generalsekretär des National Council of Churches in India (NCCI), am Freitag gegenüber UCA News. Der Gesetzentwurf in seiner derzeitigen Form werde "die karitative Mission der Kirche ernsthaft beeinträchtigen", so Ebenezer.
Das "Foreign Contribution (Regulation) Amendment Bill, 2026" ( FCRA) soll noch während der laufenden Monsunsitzung des Parlaments eingebracht werden, die am 13. August endet. Das Kabinett des Premierministers Narendra Modi hatte die Änderungen im März gebilligt. Die Regierung begründet die Reform mit einer besseren Kontrolle ausländisch finanzierter Organisationen sowie mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht. Kritik daran gab es auch bereits vonseiten zivilgesellschaftlicher Organisationen, wie Amnesty International; die neuen Regeln würden die Kontrolle über die Zivilgesellschaft verschärfen und das Recht auf Vereinigungsfreiheit untergraben.
Vorgesehen sind etwa strengere Fristen für den Erhalt und die Verwendung ausländischer Gelder, Einschränkungen bei landesweiten Registrierungen sowie neue Vorgaben für die öffentliche Kommunikation von Organisationen. Kirchenvertreter warnen, dass dies die Arbeit von kirchlichen Einrichtungen für arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen erschweren könnte.
Der seit 1976 geltende Foreign Contribution (Regulation) Act verpflichtet Organisationen, die aus dem Ausland finanziert werden, zu einer staatlichen Registrierung. Seit dem Amtsantritt der Regierung Modi 2014 wurden nach Regierungsangaben mehr als 22.000 Registrierungen aufgehoben und mehr als 15.000 nicht verlängert oder liefen aus. Derzeit verfügen 14.434 Organisationen über eine gültige Registrierung.