Theologin: Katholischsein ist vielfältig, aber kein "anything goes"
08.08.202611:15
Österreich/Kirche/Glaube/Wissenschaft
Dogmatikerin im Interview mit den "Salzburger Nachrichten": "Katholischer Glaube steht unter der Maßgabe, den Menschen Heil zu bringen - Laut Spies "institutionelle Trägheit" aber auch "Entwicklungsschübe" in der Katholischen Kirche
Salzburg, 08.08.2026 (KAP) Katholischsein lässt sich nach Ansicht der Salzburger Dogmatikerin Franca Spies nicht auf eine einzige Form reduzieren. "Das Katholische ist keine Monokultur, die man nur auf eine einzige Art und Weise leben könnte", sagte die Professorin für Dogmatik im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (8. August). Katholisch bedeute "allumfassend" und damit einen Freiraum, in dem vieles möglich sei. Das speise sich aus der Grundüberzeugung des Christentums, dass Gott wahrer Mensch geworden sei und sich daher alles Menschliche darin finden könne. Zugleich sei katholischer Glaube aber kein "anything goes".
Entscheidend für das Katholische seien nicht einzelne Identitätsmarker wie der Papst, die Marienverehrung oder die sieben Sakramente, erklärte Spies. Dieses Bild müsse korrigiert werden. "Entscheidend ist der Glaube an einen Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, der das Heil aller Menschen will, und es ist das Vertrauen und die Hoffnung, dass es etwas gibt, das über alles Irdische hinausgeht", so die Theologin, die auf das Zweite Vatikanische Konzil und die "Hierarchie der Wahrheiten" verwies: "Es gibt zentrale Glaubensüberzeugungen, die uns mit sehr vielen Menschen verbinden, und es gibt unterscheidend Katholisches, das weniger zentral ist."
"Institutionelle Trägheit" und "Entwicklungsschübe" in der Kirche
Die katholische Kirche habe im Laufe der Jahrhunderte versucht, immer genauer zu verstehen, "was ihr von Anfang an mitgegeben wurde". Dadurch seien Festlegungen entstanden, über die später möglicherweise wieder anders nachgedacht werde. "Es wurden in der Geschichte der katholischen Kirche manche Glaubensfragen immer wieder einmal auch anders gedeutet. Das gehört dazu", sagte Spies. Dabei kam sie auf die Debatte über das Frauenpriestertum zu sprechen, die aus ihrer Sicht "so oder so nicht abgeschlossen" sei.
Zugleich räumte die Theologin ein, dass Veränderungen in der katholischen Kirche oft lange dauerten. "Es gibt eine große institutionelle Trägheit und es ist tatsächlich manchmal auch bei harmloseren Fragen ermüdend, wie lange man um dieselbe Sache herumdiskutiert", sagte sie. Dennoch gebe es immer wieder "Entwicklungsschübe". Das Zweite Vatikanische Konzil sei ein solcher gewesen, heute sieht Spies in der Synodalität einen weiteren Impuls. Sie ziele darauf, dass alle gemeinsam den Weg der Kirche beraten.
Warnung vor Vereindeutigung
Kritisch sieht die Theologin es, wo einzelne Gruppierungen beanspruchen, allein zu wissen, was wirklich katholisch sei. Die christliche Botschaft sei "sehr vieldeutig". Damit täten sich nicht alle leicht, weil es letztlich um die Frage gehe, wer erlöst sei und wie. Manche Gruppierungen hätten deshalb den Drang, einzelne Themen besonders hervorzuheben und zu sagen: "Genau so ist es und nicht anders." Beides gehöre zum Katholischen: der Wunsch nach Klarheit und eine Offenheit für Dialog und geschichtliche Entwicklung.
Jede und jeder müsse den eigenen Zugang zum Katholischen finden, zugleich sei Katholischsein kein "anything goes", fuhr Spies fort. "Katholischer Glaube steht unter der Maßgabe, den Menschen Heil zu bringen. Was gar nicht geht, ist alles, was den Menschen Unheil bringt. Gewalt, Krieg, Hass." Angesprochen auf die Politik Donald Trumps sagte sie: "Das Evangelium zu nutzen, um Spaltung und Kriege unter die Menschen zu bringen, geht gar nicht. Für mich ist das der Punkt, an dem die Grenze erreicht ist."
Salzburger Hochschulwochen
Spies war als Rednerin bei den Salzburger Hochschulwochen eingeladen. Diese enden am Sonntag mit einem Festgottesdienst mit Erzbischof Franz Lackner im Salzburger Dom (8.30 Uhr) und einem Festakt in der Großen Aula um 10 Uhr mit einem Festvortrag des Paderborner Erzbischofs Udo Bentz. Zudem wird im Rahmen des Festaktes von Erzbischof Lackner traditionell das Thema der Hochschulwochen des kommenden Jahres genannt. (Info: https://www.salzburger-hochschulwochen.at)
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