Hausbesetzerprojekt: Kardinal fordert nach Brand Hilfe für Obdachlose
08.08.202616:14
Italien/Kirche/Obdachlosigkeit/Soziales/Politik
In Rom lebten 400 Menschen seit 2013 aus Protest gegenüber überhöhte Mieten in einem besetzten Haus - Nach einem Brand droht Initiative das Aus - Kardinal erinnert an Verantwortung der Stadt für bezahlbaren Wohnraum
Rom, 08.08.2026 (KAP) Die Diözese Rom hat in der Debatte um das geräumte Hausbesetzerprojekt "Spin Time" an die Verantwortung der Stadt für bezahlbaren Wohnraum und sozialen Zusammenhalt erinnert. "Nach dem Brand in dem Gebäude, nur wenige Schritte von der Basilika Santa Croce in Gerusalemme entfernt, sah sich die dort seit 13 Jahren lebende Gemeinschaft von etwa 400 Menschen gezwungen, auf der Straße zu leben", sagte Kardinal Baldassare Reina am Samstag.
Viele Passanten gingen achtlos an deren Not vorbei, kritisierte der Generalvikar der Diözese Rom. "Diese Menschen auf der Straße zu sehen - genauso wie so viele Brüder und Schwestern in dieser Stadt, die kein Dach über dem Kopf und keine menschenwürdige Unterkunft haben - hat uns zutiefst erschüttert." Dagegen sei das Netzwerk der Solidarität, das unermüdlich Essen, Zelte, Spiele für Kinder und provisorische Unterkünfte für Ältere organisiere, ein Zeichen der Hoffnung.
Protest gegen überhöhte Mieten
2013 entstand in einem früheren Verwaltungsgebäude in Roms Zentrum ein Projekt für das Zusammenleben von Jugendlichen, Migranten, Senioren und Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen, auch als Protest gegen überhöhte Mieten. Bei einem Brand am 29. Juli wurden alle Bewohner evakuiert, eine Rückkehr ist laut Stadtverwaltung nicht möglich.
Derzeit belasten Hitze und Ungewissheit die Bewohner zusätzlich. Sie sollen nun für eine Übergangszeit von 60 Tagen in zivilen oder kirchlichen Einrichtungen untergebracht werden. Die Initiative unter dem Motto "Spin Time - Eine neue Welt ist bereits möglich und notwendig" ist seit ihrer Gründung ständig von Räumung bedroht.
"Laboratorium für das Zusammenleben"
Kardinal Reina sagte weiter, es sei "falsch, die Affäre um Spin Time einfach mit der Räumung des Gebäudes abzutun". Das Projekt habe stets großes politisches, mediales und wissenschaftliches Interesse geweckt.
"Es geht nicht darum, ein physisches Zentrum um jeden Preis zu verteidigen, sondern darum, die Geschwisterlichkeit, das wahre Zentrum unserer Stadt, nicht aus den Augen zu verlieren." Er forderte den Aufbau einer Gemeinschaft, in der nicht das Interesse des Stärkeren die Oberhand gewinnt.
"Christus weilt nicht in den Machtzentren, sondern identifiziert sich mit denen, die hungern, fremd sind oder obdachlos sind", sagte Reina. In einer Zeit tiefer Einsamkeit und des allgemeinen Zerfalls sozialer Bindungen müssten Orte geschaffen werden, wo Menschen zusammenkommen, Barrieren abbauen und ein friedliches Zusammenleben gestalten können.