Erdbeben in Kolumbien: Kirche ruft zu Gebet und Solidarität auf
11.08.202609:08
Kolumbien/Naturkatastrophe/Erdbeben/Kirche
Mehr als 100 Tote und Zerstörungen in vielen Landesteilen - Auch viele Kirchen in Trümmern - Bischöfe beten für Betroffene und Helfer, kirchliche Nothilfe gestartet
Bogota/Wien, 11.08.2026 (KAP) Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien mit einer Stärke von 7,4 hat die katholische Kirche zu Gebet und konkreter Hilfe für die Betroffenen aufgerufen. Nach aktuellem Stand von Dienstagfrüh kamen mindestens 111 Menschen ums Leben, 87 weitere wurden verletzt. Rund 1.600 Gebäude wurden beschädigt, 61 stürzten vollständig ein. Die Rettungsarbeiten dauern an.
Das Beben ereignete sich am Montag um 7.34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag bei San Jose del Palmar im Departamento Choco im Westen des Landes, in rund 100 Kilometern Tiefe. Die Erschütterungen waren unter anderem in den Departamentos Antioquia, Caldas, Cauca, Risaralda und Valle del Cauca sowie in der Hauptstadt Bogota zu spüren. Die Regierung erklärte für die betroffenen Regionen den Notstand.
Notunterkünfte und Hilfsgüterverteilung
Die kolumbianische Bischofskonferenz (CEC) bekundete den Betroffenen ihre Nähe und rief die Gläubigen auf, sie "mit Gebet und Solidarität" zu begleiten. Christus möge die Herzen der Betroffenen stärken, ihnen Trost und Hoffnung schenken und jene begleiten, die an den Rettungs- und Hilfsmaßnahmen beteiligt seien, so die Bischöfe. Zugleich kündigten sie an, möglichst rasch konkrete Möglichkeiten für Spenden und weitere Hilfe bekanntzugeben.
Auch in den betroffenen Regionen mobilisierte die Kirche ihre Kräfte. Die Bischöfe von Manizales, Pereira und Cali riefen dazu auf, den Betroffenen beizustehen und die kirchlichen Strukturen für die Hilfe zu nutzen. Kirchliche Lebensmittelbanken in Bogota, Pereira und Buenaventura sowie die kolumbianische Caritas aktivierten ihre Nothilfe. Gesammelt und verteilt werden unter anderem Lebensmittel, Trinkwasser und weitere Hilfsgüter für Menschen in Notunterkünften und besonders betroffenen Gemeinden.
Viele Kirchen in Trümmern
Auch zahlreiche Kirchen und Wallfahrtsstätten wurden durch das Erdbeben beschädigt. Besonders schwer betroffen ist die Kathedrale von Manizales, wo eine der Türme teilweise einstürzte. In Manizales wurde zudem die Kirche im Stadtteil El Carmen schwer beschädigt, in der Diözese Pereira stürzte ein Teil der Fassade der Kirche San Jose ein. Auch die Basilika Senor de los Milagros in Buga weist Risse in der Kuppel und herabgefallene Gebäudeteile auf und bleibt vorerst geschlossen.
Weitere Schäden wurden aus den Diözesen Popayan und Cali sowie aus dem Bundesstaat Antioquia gemeldet. Im Kloster La Merced in Cali stürzte das Dach über dem Presbyterium ein, zudem entstanden Risse in den Wänden. Schwer beschädigt wurde auch die Basilika Unserer Lieben Frau von der Armut in Cartago. Unbeschädigt blieb hingegen das Nationalheiligtum Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz von Chiquinquira, das weiterhin für die Gläubigen geöffnet ist.
Internationale Solidarität
Auch Ordensgemeinschaften reagierten mit Solidaritätsbekundungen und einer Bestandsaufnahme der Schäden. Die Salesianer Don Boscos berichteten am Montagabend von Beeinträchtigungen mehrerer ihrer Einrichtungen in Medellin und im kolumbianischen Pazifikraum, darunter Schulen, Pfarren und soziale Einrichtungen. Nach ersten Angaben gab es unter den Ordensmitgliedern und Mitarbeitern keine Todesopfer. Die Gemeinschaft rief zugleich zum Gebet für die Betroffenen auf und sicherte den betroffenen Gemeinschaften ihre Unterstützung und Begleitung zu.
Auch aus anderen Ländern Lateinamerikas kam Anteilnahme. Die Bischofskonferenzen von Mexiko, Peru, Chile und Argentinien bekundeten ihre Solidarität mit den Betroffenen und riefen zum Gebet für die Opfer, Verletzten und Einsatzkräfte auf. Die chilenischen Bischöfe verwiesen zudem auf die kolumbianische Gemeinschaft in ihrem Land und ermutigten dazu, sich an humanitären Hilfsinitiativen kirchlicher und ziviler Organisationen zu beteiligen. Die peruanischen Bischöfe baten die kolumbianische Nationalpatronin, die Jungfrau von Chiquinquira, um ihren Beistand für die Betroffenen.
Auch in den spanischsprachigen katholischen Gemeinden in Österreich riefen Exilkolumbianer zu Gebeten für die Opfer und ihre Angehörigen sowie zu konkreter Unterstützung auf. Mehrere kirchliche Hilfsorganisationen riefen zu Hilfe auf und kündigten Unterstützung an.
Das Beben gilt als eines der stärksten, die Kolumbien in jüngerer Zeit getroffen haben. Besonders schwierig gestaltet sich die Lage in abgelegenen Regionen des Departamento Choco, wo die Erreichbarkeit einzelner Orte durch Schäden an der Infrastruktur und unterbrochene Verkehrsverbindungen erschwert ist.