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Bild Copyright: © Jakob Gsöllpointner

Stiftsweingut Klosterneuburg: Rebzikade breitet sich aus

11.08.2026 11:18
Österreich/Weinbau/Kirche/Religion/Wirtschaft-Finanzen/Kultur/Orden
900 Jahre Weinbau im Stift Klosterneuburg: "Tradition heißt nicht Stillstand" - 1860 wurde in Klosterneuburg die erste Weinbauschule der Welt gegründet
Wien, 11.08.2026 (KAP) Sinkender Weinkonsum, Klimawandel, Preisdruck und die Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade zwingen Österreichs traditionsreiche Weinbaubetriebe zur Anpassung. "Tradition heißt aber nicht Stillstand", betonte der Weingutsleiter des niederösterreichischen Stifts Klosterneuburg, Peter Frei, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress (DIenstag). Aktuell stellt die Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade das 900 Jahre alte Weingut vor eine neue Herausforderung; ausgerechnet nachhaltige Produktionsweisen könnten die Anfälligkeit der Reben erhöhen, erklärte Frei. Der weitgehende Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel mache die Pflanzen anfälliger für Schädlinge. Zugleich hofft Frei auf Forschung und neue Züchtungen, um die Ausbreitung des Schädlings einzudämmen.

Die Rebzikade überträgt die Goldgelbe Vergilbung der Rebe, die ganze Weinstöcke schädigen und den Weinbau in betroffenen Regionen erheblich beeinträchtigen kann. Einen Vergleich mit der historischen Reblausplage sieht Frei dennoch nicht ausschließlich pessimistisch: "Wie uns die Geschichte gelehrt hat, kann ein Schädling eine Branche nicht so leicht ausrotten." Auch die Reblaus habe einst Forschung und neue Züchtungen vorangetrieben. "Wir hoffen, dass bis zum Finden einer Lösung nicht allzu große Schäden passieren", so Frei.

Es wird weniger getrunken

Das Stift Klosterneuburg betreibt seit Jahrhunderten Weinbau. Aktuell reagiert es mit alkoholfreiem Wein sowie Traubensaft und Verjus auf veränderte Konsumgewohnheiten. Die Kundinnen und Kunden seien einerseits preissensibler geworden, achteten andererseits aber stärker auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. "Dadurch wird vielleicht weniger Wein getrunken", so der Weingutsleiter.

Auch international steht der Weinbau unter Druck. Für ein Weingut der Größe von Stift Klosterneuburg sei ein gewisser Exportanteil unumgänglich, erklärte Frei. Von den aktuellen US-Zöllen sei das Stift aufgrund seines vergleichsweise geringen US-Geschäfts jedoch nicht unmittelbar stark betroffen. Schwieriger sei die Situation auf dem europäischen Markt: Französische und italienische Weine würden nach Österreich drängen sowie auf wichtige Exportmärkte wie Deutschland und Skandinavien. Gleichzeitig sinke auch dort der Weinkonsum. Das führe regelmäßig zu Preiskämpfen, denen sich auch das Stiftsweingut nicht entziehen könne.

Weinbau mit Geschichte

Zugleich bleibe der Weinbau ein zentraler Bestandteil der jahrhundertealten Klostergeschichte, meinte Frei. Die Geschichte des Weinguts ist eng mit der Gründung des Stifts Klosterneuburg im Jahr 1114 verwoben; Markgraf Leopold III. ließ 1114 den Grundstein zur Stiftskirche legen, bei der Weihe der Stiftskirche 1136 soll bereits Wein aus dem eigenen Weingut ausgeschenkt worden sein. Auch wissenschaftlich hat Klosterneuburg eine lange Weinbautradition: 1860 wurde dort die erste Weinbauschule der Welt gegründet. Auf Initiative der Augustiner-Chorherren wurde zudem erstmals die Rebsorte St. Laurent ausgepflanzt. Heute werden auf 120 Hektar Reben angebaut.

Die Chorherren von Klosterneuburg betreuen 23 Pfarren in der Erzdiözese Wien, eine in der Diözese St. Pölten sowie weitere Pfarren in den USA und in Norwegen. Das Stift zählt derzeit 39 Chorherren, dazu kommen rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

(Weingut Stift Klosterneuburg: www.weingut-stift-klosterneuburg.at; Stift Klosterneuburg: www.stift-klosterneuburg.at)
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