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Erzdiözese Boston: Abtreibungsgesetz ist Eingriff in Menschenwürde

12.08.2026 11:41
USA/Schwangerschaftsabbruch/Gesetz/Kirche
Neue Regelung im US-Bundesstaat Massachusetts macht Spätabtreibungen möglich
Washington, 12.08.2026 (KAP/KNA) Die Erzdiözese Boston kritisiert die gelockerten Abtreibungsregeln im US-Bundesstaat Massachusetts scharf. Das Gesetz, das den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen radikal ausweite, "ist ein schwerwiegender Eingriff in die Unantastbarkeit und Würde jedes Menschen", hieß es laut der Nachrichtenagentur KNA in einer am Dienstag (Ortszeit) in den Sozialen Medien veröffentlichten Erklärung von Erzbischof Richard Henning.

"Mir ist bewusst, dass diejenigen, die sich für die Wahrung und Förderung dieser Würde einsetzen, sich in diesem Moment entmutigt fühlen", so der Erzbischof. Er ermutige dazu, weiterhin die Schönheit und das Wunder des Lebens zu verkünden.

Als zehnter US-Bundesstaat hatte Massachusetts am Montag Regelungen für Spätabtreibungen gelockert. Nach dem neuen Gesetz dürfen Schwangerschaftsabbrüche künftig auch nach der 24. Woche noch durchgeführt werden. Gouverneurin Maura Healy hatte nach der Unterzeichnung des Gesetzes erklärt: "Wahre Freiheit bedeutet, dass Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung bei den Frauen und ihren Ärztinnen und Ärzten liegen - und nicht bei ihrer Regierung."

Seit der Aufhebung des Grundsatzurteils "Roe v. Wade" von 1973 durch den Obersten Gerichtshof im Juni 2022 gehen immer mehr US-Bundesstaaten eigene Wege in der Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen. Neun Staaten hatten Regelungen bereits gelockert. In anderen Staaten, insbesondere im republikanisch dominierten Süden, wurden gleichzeitig Gesetze erlassen, die Abtreibungen deutlich einschränkten oder faktisch unmöglich machten.

Die Debatte über den Zugang zu Abtreibungen in den USA verschärft sich unterdessen auch auf Bundesebene. Lebensschutzorganisationen forderten den neuen US-Justizminister Todd Blanche auf, seine angekündigte Prüfung der Regelungen zum Versand des Abtreibungsmedikaments Mifepriston voranzutreiben. Blanche hatte zuvor erklärt, die Regierung arbeite daran, den Versand solcher Medikamente per Post zu unterbinden.

Hintergrund ist ein Gutachten des Justizministeriums aus dem Jahr 2022, wonach der sogenannte Comstock Act von 1873 den Postversand von Medikamenten, die für Abtreibungen verwendet werden können, nicht grundsätzlich verbiete. Gegner des Versands berufen sich dagegen auf das weiterhin geltende Gesetz. Blanche war am 8. August vom US-Senat mit 49 zu 50 Stimmen bestätigt worden und trat am 10. August sein Amt an.
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