Sri Lanka: Kirche fordert Gerechtigkeit für Anschläge ohne Todesstrafe
13.08.202614:37
Sri Lanka/Kirche/Justiz/Todesstrafe/Menschenrechte/Terroranschlag
Kardinal Ranjith zur Ahndung der Osteranschläge von 2019: Opfern gerecht werden und zugleich Menschenwürde achten
Colombo, 13.08.2026 (KAP) Nach den Todesurteilen gegen zwei ehemalige hochrangige Regierungsvertreter wegen Versäumnissen bei der Verhinderung der Osteranschläge von 2019 hat Kardinal Malcolm Ranjith die vollständige Aufklärung der Attentate gefordert. Zugleich bekräftigte der Erzbischof von Colombo die Ablehnung der Todesstrafe durch die katholische Kirche. Gerechtigkeit für die Opfer und die Achtung der Menschenwürde seien kein Widerspruch, erklärte Ranjith in einer am 11. August veröffentlichten Stellungnahme.
Ein Gericht in Colombo hatte am 31. Juli den früheren Polizeichef Pujith Jayasundara und den ehemaligen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Hemasiri Fernando, mit einer Zwei-zu-eins-Mehrheit zum Tod verurteilt. Ihnen wurde vorgeworfen, vorliegende Geheimdienstwarnungen nicht ausreichend beachtet und damit die Anschläge nicht verhindert zu haben. Beide waren 2022 zunächst freigesprochen worden; nach einer Anordnung des Obersten Gerichts wurde der Prozess neu aufgerollt.
Bei den koordinierten Anschlägen am Ostersonntag, dem 21. April 2019, waren mehr als 260 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Attentatsziele waren unter anderem die katholischen Kirchen St. Sebastian in Katuwapitiya und St. Anthony in Colombo. Unter den Todesopfern waren 42 Ausländer.
Ranjith betonte, die Kirche unterstütze die Unabhängigkeit der Justiz und wolle nicht in laufende Verfahren eingreifen. Sie verlange jedoch, dass insbesondere die tatsächlichen Drahtzieher und Planer der Anschläge ermittelt und zur Verantwortung gezogen würden. "Gerechtigkeit" dürfe dabei nicht mit Vergeltung verwechselt werden. Der Kardinal verwies auf die Friedensbotschaft von Johannes Paul II. aus dem Jahr 2002: "Keine Gerechtigkeit ohne Vergebung, kein Frieden ohne Gerechtigkeit."
Die Ablehnung der Todesstrafe begründete Ranjith mit der kirchlichen Lehre zur Würde des Menschen und verwies auf Artikel 2267 des Katechismus. Zugleich forderte er wirksame Maßnahmen, um künftige extremistische Anschläge auf Kirchen und andere öffentliche Orte zu verhindern.
In Sri Lanka besteht die Todesstrafe weiterhin, wird aber seit Jahren nicht vollstreckt; Todesurteile werden üblicherweise in lebenslange Haft umgewandelt. Angehörige der Opfer reagierten laut früheren Berichten mit gemischten Gefühlen auf das Urteil. Eine Mutter, deren Tochter in Katuwapitiya getötet wurde, erklärte, keine Strafe könne die verlorenen Angehörigen zurückbringen. Die Verurteilung sei dennoch ein Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit.