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Slowakei: Neue Etappe im Seligsprechungsverfahren für umstrittenen Bischof

14.08.2026 10:30
Slowakei/Kirche/Geschichte/Seligsprechungsverfahren/Vojtassak
Umfangreiche Dokumentation über früheren Zipser Bischof Vojtassak liegt vatikanischen Historikern vor - Zusätzliche Untersuchungen galten besonders den Jahren 1939 bis 1945 und der Beteiligung des Bischofs an der Arisierung jüdischen Eigentums - Jüdische Gemeinden reagieren mit scharfer Kritik - Von Pavel Mikluscak
Bratislava, 14.08.2026 (KAP) Das Seligsprechungsverfahren für den früheren Zipser Bischof Jan Vojtassak (1877-1965) ist in eine neue Phase getreten. Das vatikanische Dossier "Positio super martyrio" über Leben, Leiden und Zeugnis des slowakischen Bischofs sowie die Belege für sein mögliches Martyrium ist fertiggestellt, genehmigt und gedruckt worden. Die umfangreiche Dokumentation wurde den Historikerkonsultoren des vatikanischen Dikasteriums für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zur Prüfung vorgelegt, teilte die Slowakische Bischofskonferenz (KBS) mit. Zuvor hatte der amtierende Zipser Bischof Frantisek Trstensky am vergangenen Wochenende bei einer Gedenkfeier in Vojtassaks Geburtsort Zakamenne über den Fortschritt informiert. Er rief die Gläubigen auf, für ein positives Urteil der Historiker zu beten.

Besondere Bedeutung kommt der historischen Prüfung zu, weil Vojtassaks Biografie neben seiner späteren Verfolgung durch das kommunistische Regime ab 1948 auch kontroverse Kapitel aus der Zeit des autoritären Slowakischen Staates von 1939 bis 1945 aufweist. Vojtassak war damals nicht nur Zipser Bischof, sondern auch stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates des mit NS-Deutschland verbündeten Regimes des Priesterpräsidenten Jozef Tiso (1887-1947). Seine damalige Tätigkeit und seine Haltung gegenüber der antijüdischen Politik zählen seit Jahren zu den zentralen Streitpunkten der Causa.

Kontroverse um Arisierung

Besonders umstritten ist Vojtassaks Beteiligung an der "Arisierung", der Enteignung jüdischen Eigentums und dessen Übertragung an nichtjüdische Interessenten. Dokumentiert ist ein von Vojtassak persönlich unterzeichneter Antrag auf Arisierung der Bäder in Baldovce. Das Schreiben richtete der Bischof an das Zentralwirtschaftsamt, das für die Durchführung der Arisierung zuständig war.

Gerade solche Dokumente waren ein Grund dafür, dass die historischen Untersuchungen im Seligsprechungsverfahren erheblich ausgeweitet wurden. Im September 2015 setzte der damalige Zipser Bischof Stefan Secka eine historische Kommission ein, die ausdrücklich Vojtassaks Tätigkeit zwischen 1939 und 1945 sowie die gegen ihn vorgebrachten Einwände untersuchen sollte. Der damalige Postulator im Seligsprechungsverfahren, Peter Jurcaga, erklärte 2016, zusätzliche Forschungen seien notwendig geworden, nachdem die zuständige vatikanische Behörde bei der zuvor eingereichten Dokumentation wesentliche Defizite festgestellt hatte.

Die ergänzende diözesane Untersuchung dauerte von 2015 bis 2019. Nach Angaben der Slowakischen Bischofskonferenz wurden dabei neue Dokumente aus slowakischen und ausländischen Archiven ausgewertet und insbesondere die kontroversen Jahre 1939 bis 1945 untersucht. Die Ergebnisse ermöglichten 2019 die Fortsetzung der Causa auf römischer Ebene und bildeten schließlich eine Grundlage für die nun vorliegende "Positio super martyrio".

Jüdische Gemeinden: "Arisierer und Denunziant als Seliger?"

Auf die jüngste Nachricht über den Fortschritt des Verfahrens reagierte der Zentralverband der jüdischen Religionsgemeinden in der Slowakei (ÚZNO) mit deutlicher Kritik. Unter der zugespitzten Frage "Ein Arisierer und Denunziant als Seliger?" fasste der Verband seine Einwände gegen eine Seligsprechung Vojtassaks zusammen.

Dabei gehe es nicht um "Wut oder Empörung", betonte die jüdische Gemeinschaft. Man melde sich aus einem einzigen Grund zu Wort: um "die Erinnerung und die Achtung vor unseren Vorfahren zu bewahren, die Opfer des Regimes in der Slowakei während des Krieges wurden".

Vojtassak sei "aus eigener Entscheidung ein aktiver Teil des Regimes" gewesen, das Menschen wissentlich und grausam geschädigt habe, so die jüdischen Gemeinden. Zugleich erkennen sie ausdrücklich Vojtassaks späteres Schicksal an: Er habe selbst "die Verfolgung und Grausamkeit eines anderen Regimes" erfahren. Damit verwies der Verband auf die kommunistische Verfolgung des Bischofs nach 1948.

Verfahren läuft seit 1996

Das Seligsprechungsverfahren hat inzwischen eine 30-jährige Geschichte. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte bei seinem Slowakei-Besuch 1995 an Vojtassak und andere unter dem Kommunismus verfolgte Bischöfe erinnert.

Vojtassak war nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei massiver Verfolgung ausgesetzt. 1951 wurde er gemeinsam mit den Bischöfen Michal Buzalka und Pavol Peter Gojdic in einem politischen Schauprozess zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt. Er verbrachte einen erheblichen Teil seiner letzten Lebensjahre in Gefängnissen und Internierung und starb am 4. August 1965 im tschechischen Rícany im Alter von 87 Jahren.

Über eine Seligsprechung ist mit der Vorlage der "Positio" noch nicht entschieden. Zunächst müssen die Historikerkonsultoren das Dossier beurteilen. Bei einem positiven Votum folgt die Prüfung durch die theologischen Konsultoren und anschließend durch die zuständigen Gremien des vatikanischen Dikasteriums. Da die Causa auf die Anerkennung Vojtassaks als Märtyrer zielt, wäre im Fall der Anerkennung des Martyriums für die Seligsprechung kein zusätzliches Wunder erforderlich.
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