Staatsmedien in Nicaragua zeigen Interview mit verschollenem Bischof
13.08.202615:46
Nicaragua/Menschenrechte/Kirche/Diktatur/Leute
Erster öffentlicher Auftritt von regimekritischem Bischof Mata seit seiner Inhaftierung und seinem Verschwinden Ende Juni
Managua, 13.08.2026 (KAP/KNA) Staatsmedien in Nicaragua haben ein Interview mit dem bisher als verschollen gegoltenen emeritierten Bischof von Esteli, Juan Abelardo Mata (80), ausgestrahlt. Wie das Portal "Despacho505" berichtet, wurde das Gespräch von dem Abgeordneten Adolfo Pastrán geführt. Er ist Mitglied der sandinistischen Regierungspartei von Machthaber Daniel Ortega und Co-Präsidentin Rosario Murillo.
In dem am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichten Interview drängt Pastrán den Bischof zu einer Bestätigung, dass er gut behandelt werde und Besuch empfangen dürfe. Mata erklärte, er widme sich dem Gebet, dem Studium und geistiger Arbeit. Zudem kümmere er sich um Pflanzen, betreibe eine kleine Honigproduktion und stelle Bausteine her. Gelegentlich erhalte er Besuch von Verwandten, bevorzuge aber die Stille.
Die Aufnahmen geben allerdings keinen Aufschluss darüber, unter welchen Bedingungen sich Mata derzeit in seiner Wohnung aufhält oder wann das Gespräch aufgenommen wurde. Insbesondere bleibt offen, ob seine Bewegungs- und Kommunikationsfreiheit eingeschränkt ist und ob die Behörden seine Kontakte zu anderen Personen kontrollieren. Auch zu den gegen ihn laufenden Ermittlungen und den Gründen für seine Festnahme äußerte sich der 80-Jährige in dem Gespräch nicht.
Die Ausstrahlung ist der erste öffentliche Auftritt nach Meldungen über zwischenzeitliche Verhaftungen und Ermittlungen gegen Mata. Nur einen Tag zuvor hatte sich die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) in den Fall eingeschaltet. Die innerhalb der Organisation Amerikanischer Staaten angesiedelte CIDH forderte "vorläufige Maßnahmen zum Schutz des Geistlichen und von vier Personen aus seinem engsten Umfeld".
Mata gehört zu den prominenten Kritikern des Ortega-Regimes innerhalb der katholischen Kirche. Er war am 29. Juni zusammen mit den Priestern Rigoberto Delgadillo Sanchez und Francisco Morales sowie dem Diakon Wilfredo Arauz Rodriguez festgenommen worden. Nach zwischenzeitlicher Freilassung soll Mata nun unter Hausarrest stehen. Nach CIDH-Informationen teilte das Innenministerium am 4. Juli mit, dass gegen den Bischof "ermittelt" werde.
Der Festnahme vorausgegangen war ein Gottesdienst, in dem der Bischof um Gebete für eine vom Staat verfolgte katholische Kirche bat. Weil es seitdem keine Nachricht von Bischof Mata gab, wuchs die Sorge unter den Kirchenmitgliedern seiner Diözese. In einer offiziellen Mitteilung des Innenministeriums hieß es, dass seine "Vermögensverhältnisse und familiären Bindungen mit dem Priesteramt unvereinbar" seien.
Die linksgerichtete Regierung in Managua geht seit Jahren gegen kirchliche Vertreter und Institutionen vor. Zudem wurde tausenden Nichtregierungsorganisationen die rechtliche Grundlage entzogen.
Die schwere Krise in Nicaragua begann 2018, als Studenten zunächst gegen eine mutmaßlich von der Regierung geduldete oder gar initiierte Brandrodung in einem Naturschutzgebiet auf die Straßen gingen. Schnell weiteten sich die Demonstrationen zu landesweiten Protesten aus. Das Regime von Machthaber Ortega schlug die Demonstrationen mit Gewalt nieder. Pfarrer und Bischöfe öffneten ihre Kirchen, damit die Demonstrierenden Schutz vor den Polizeikugeln finden konnten.