Besorgniserregende Zahlen im neuen Jahresbericht des katholischen Indigenenrates Cimi
Brasilia, 14.08.2026 (KAP/KNA) Die Gewalt gegen Brasiliens indigene Bevölkerung hat im Jahr 2025 zugenommen. 258 Morde an Indigenen wurden registriert; 2024 waren es noch 211 Fälle, wie laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) aus dem am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht des katholischen Indigenenrates Cimi zur Gewalt gegen indigene Völker hervorgeht. Das ist ein Plus von 22 Prozent und der höchste Wert der vergangenen vier Jahre.
Die Gliedstaaten mit den meisten Fällen waren die in der Amazonasregion angesiedelten Roraima (82 Morde) und Amazonas (47 Morde), gefolgt von dem zentralbrasilianischen Gliedstaat Mato Grosso do Sul (37 Morde).
Diese drei Gliedstaaten liegen auch bei Suiziden vorne: Amazonas (77), Mato Grosso do Sul (42) und Roraima (37). Insgesamt zählte Cimi 215 Suizide; 208 waren es im Jahr 2024.
Rassismus und Diskriminierung
Zudem wurden unter anderem 18 Morddrohungen, 33 Fälle von Körperverletzung, 38 Mordversuche, 46 Fälle von Rassismus und ethnisch-kultureller Diskriminierung und 25 Fälle von sexueller Gewalt registriert. Dazu kommen zehn Indigene, die Opfer von Totschlag wurden.
Auch die Situation indigener Kleinkinder bereitet den Autoren Sorge. So starben 1.024 Säuglinge und Kleinkinder bis zu 4 Jahren, verglichen mit 922 Fällen in 2024. Wiederum liegen Amazonas (306 Fälle) und Roraima (158 Fälle) an der Spitze. 57 Prozent der Fälle seien auf "vermeidbare Ursachen" wie Grippe und Lungenentzündung (104 Fälle), Darminfektionen (85 Fälle) und Unterernährung (32 Fälle) zurückzuführen.
Zwar stehen seit 1988 indigene Territorien und ihre Bewohner unter besonderem Schutz der brasilianischen Verfassung. Doch vor Gerichten wird seit Jahren über die Landzuteilungen an Indigene gestritten, was zu Konflikten mit Goldsuchern und Farmern führt.
Vorwurf: Staat sorgt für Unsicherheit
"Der Anstieg der Gewalt gegen indigene Völker ist auch die Folge eines Klimas territorialer Unsicherheit, das vom Staat selbst aufrechterhalten wird", erklärte die Nichtregierungsorganisation Instituto Socioambiental in einer Stellungnahme. "Verzögerungen bei der Gebietsabgrenzung und das Fehlen einer endgültigen Lösung für umstrittene Gebiete setzen die Gemeinschaften Übergriffen, Drohungen und Gewalt aus."
Brasiliens Zentralregierung erklärte, dass seit dem Amtsantritt von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Jänner 2023 der Status von 20 indigenen Gebieten - mit einer Gesamtfläche von 3,2 Millionen Hektar - offiziell ratifiziert wurde und derzeit in 12 indigenen Gebieten Maßnahmen zur Räumung von unbefugten Eindringlingen laufen.
"Lula" hatte im Wahlkampf 2022 versprochen, die Indigenen und ihre Gebiete vor dem Vordringen von Eindringlingen zu schützen. Allerdings ist die Regierung im Kongress auch auf Stimmen von Kongressabgeordneten angewiesen, die der Agrar-Lobby nahestehen.