Australien: Ex-Bischof wegen sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen
14.08.202610:15
Australien/Justiz/Missbrauch/Kirche
Gericht befindet früheren Bischof von Broome, Saunders, in 13 Fällen für schuldig - Nachfolger Norton bedauert Vertrauensbruch, Verrat und Spaltung in der Diözese
Canberra, 14.08.2026 (KAP) Der emeritierte Bischof von Broome in Australien, Christopher Saunders, ist wegen sexueller Übergriffe auf zwei junge indigene Männer schuldig gesprochen worden. Ein Geschworenengericht am District Court von Western Australia befand den 76-Jährigen in 13 Fällen für schuldig: einmal wegen sexueller Penetration und zwölfmal wegen unsittlicher Übergriffe. Saunders war von 1996 bis 2021 Bischof der im Nordwesten Australiens gelegenen Diözese Broome.
Ursprünglich war Saunders wegen einer Reihe von Sexualstraftaten gegen drei junge Männer angeklagt. Sechs Anklagepunkte endeten nun mit einem Freispruch, weitere wurden im Laufe des Verfahrens fallengelassen. Die Vorwürfe bezogen sich auf die Jahre 2008 bis 2019. Saunders hatte die sexuellen Übergriffe bestritten. Nach dem Schuldspruch vom Mittwoch wurde er bis zu einer weiteren Gerichtsverhandlung am 21. September in Untersuchungshaft genommen. Dann soll über das Strafmaß entschieden werden.
Der aktuelle Diözesanbischof von Broome, Timothy Norton, zeigte sich tief betroffen und bat im Namen der Diözese um Entschuldigung. In einem Hirtenbrief an die Katholiken der Kimberley-Region dankte der Steyler Missionar der Polizei und der Staatsanwaltschaft von Western Australia dafür, den Fall vor ein Geschworenengericht gebracht zu haben. Besonders würdigte er den Mut der Opfer, Überlebenden und anderen Zeugen, die sich zu Wort gemeldet hätten. Sie hätten es verdient, "mit Mitgefühl gehört und mit Würde behandelt" zu werden. Zugleich äußerte Norton sein Bedauern darüber, dass es so lange gedauert habe, bis ihre Stimmen gehört und ihr Leid anerkannt worden sei.
Die Folgen des Falls reichten über die unmittelbar Betroffenen hinaus. "Das Vertrauen ist gebrochen, und Wunden des Verrats und der Spaltung sind in der gesamten Diözese sichtbar geworden", schrieb Norton. Auch viele Menschen, die sich uneigennützig in Pfarren und Gemeinden engagiert hätten, seien mit schwierigen Fragen und ungelösten Gefühlen zurückgeblieben. Die Diözese wolle sich deshalb verstärkt für "Sicherheit, Respekt und Verantwortlichkeit" einsetzen und ein Umfeld des Vertrauens und der Offenheit schaffen.
In den kommenden Monaten will Norton zahlreiche Gemeinden der weitläufigen Diözese besuchen. Dies solle eine Zeit des Trauerns und Zuhörens sowie des gemeinsamen Gehens auf einem "synodalen Weg" in eine von Mitgefühl geprägte neue Phase der Diözese sein. Menschen, die nach dem Urteil oder aufgrund der im Prozess bekannt gewordenen Schilderungen Unterstützung benötigten, könnten sich an das diözesane und pfarrliche Personal wenden, das den Kontakt zu unabhängigen Hilfsangeboten herstellen könne, so der Bischof.
Staatsanwaltschaft von Westaustralien hatte Vorwürfe gegen Christopher Saunders untersucht, aber entschieden, dass er sich nicht vor Gericht verantworten muss