Kardinal Nemet würdigt Frauen als tragende Säulen der Kirche
15.08.202615:04
Österreich/Kirche/Glaube/Religionsfest oder Feiertag/Frauen/Mariä.Himmelfahrt/Nemet
Erzbischof von Belgrad zu Mariä Himmelfahrt im Wallfahrtsort Frauenkirchen: Gottesmutter ist Urbild der Kirche und eines Glaubens, der im Jubel wie im Dunkel Bestand hat - Nemet mahnt, Stimmen der Frauen in der Kirche zu hören
Eisenstadt, 15.08.2026 (KAP) Als erste Theologin der Kirche, unter deren Schutz sich Bischöfe und Päpste stellen, hat Kardinal Ladislav Nemet die Gottesmutter Maria gewürdigt. Maria habe kein kirchliches Amt bekleidet und auch kein Sakrament gespendet. "Und doch hat die Kirche in ihr immer mehr gesehen als in jedem Amtsträger: die Mutter, die erste Frau im Glauben, die das Wirken Gottes im Neuen Testament in Worte gefasst und öffentlich gepredigt hat", betonte der Kardinal am Samstag bei der Festmesse zum Hochfest Mariä Himmelfahrt in der Basilika Frauenkirchen im Burgenland. Am "großen Frauentag" wies der Erzbischof von Belgrad auf die tragende Rolle der Frauen hin, die "in der Geschichte der Kirche ohne Titel, ohne Ämter, aber mit einer Treue, die trägt, im Verborgenen gewirkt haben".
Maria sei das Urbild der Kirche und eines Glaubens, der im Jubel wie im Dunkel Bestand habe. Das sei Vorbild für alle Christinnen und Christen: "Wer mit Christus ausharrt, wenn alles finster ist, dem bleibt er auch dort nahe, wo alles Licht ist", erklärte Nemet in dem Wallfahrtsort im Seewinkel, zu dem seit dem 14. Jahrhundert Pilgerinnen und Pilger kommen, um ihre Sorgen und ihren Dank vor das Gnadenbild "Maria auf der Heide" zu bringen.
Der Kardinal erinnerte an die wundersame Geschichte des Bildes, das der Legende nach Brände und Zerstörungen während der beiden Türkenbelagerungen unversehrt überstanden hat. "Auch das ist ein Zeichen: Was Christus nahe bleibt, geht durch das Feuer und bleibt dennoch bestehen."
Marias Nähe zu Christus erschöpfe sich nicht im Magnificat, dem biblischen Lobgesang der Maria aus dem Lukasevangelium, der seit 2.000 Jahren in der Kirche gesungen werde, betonte der Steyler Missionar. Ihre Liebe habe sich vor allem unter dem Kreuz gezeigt, als die meisten Jünger geflohen waren. "Sie hat sich nicht abgewandt, als der Weg ihres Sohnes durch Verrat, Spott und Tod ging". Diese Compassio, das Mitleiden, sei keine bloße Erduldung, sondern aktiv gelebte Liebe dort, wo man sich am liebsten abwenden würde.
"Keine Lückenfüllerinnen für fehlende Priester"
So lebten auch Frauen in der Kirche, was Maria unter dem Kreuz gelebt habe: "eine Nähe zu Christus, die sich in der Dunkelheit ebenso bewährt wie am Feiertag". Nemet erinnerte an Mütter, "die den Glauben an ihre Kinder weitergegeben haben, bevor ein Katechismus sie erreicht hat", Krankenschwestern, Ordensfrauen, die Schulen aufgebaut und Waisen aufgenommen haben, Frauen in den Pfarrgemeinderäten, Katechetinnen, jene, die Dienst als Mesnerin versehen, und Theologinnen, "ohne die die Kirche heute nicht dastünde, wo sie heute steht".
Der Dienst der Frauen in der Kirche sei selten gesehen worden, doch niemals umsonst gewesen. Sie seien "kein Ersatz, keine Lückenfüllerinnen für fehlende Priester, keine bloße Hilfskraft für Aufgaben, die sonst niemand übernehmen will". Sie trügen ihr eigenes Charisma, das jede und jeder Getaufte empfange, mahnte der Kardinal, die Stimmen der Frauen zu hören. "Wir dürfen heute ehrlich fragen, ob wir den Frauen in unseren Gemeinden, in unseren Klöstern, in unseren Diözesen, wirklich den Raum geben, den ihr Glaube, ihre Klugheit, ihre Erfahrung verdienen. Ob wir sie hören, wenn Entscheidungen getroffen werden, ob wir ihnen zutrauen, Verantwortung zu tragen."
Weinlese, Passionsspiele und Freundschaften
Nemet betonte vor den Wallfahrerinnen und Wallfahrern auch seine große Nähe zu Österreich, dem Burgenland und der Basilika Frauenkirchen. Von 1994 bis 2004 war er als Steyler Missionar in Österreich tätig und besuchte in dieser Zeit mehrmals das Burgenland und die Basilika. "Ich verbinde mit dem Burgenland Erinnerungen an die Weinlese, die Passionsspiele und Freundschaften, die ich in meiner Zeit hier geschlossen habe", sagte der Kardinal.
Unter anderem lehrte er auch als Professor für Dogmatik an der damaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Gabriel und war Präfekt der Theologiestudenten. Als Kaplan in Maria Enzersdorf lernte Nemet den Franziskanerpater Thomas Lackner kennen, der ab 1996 das Franziskanerkloster und die Pfarre Maria Enzersdorf leitete, ehe er 2014 als Stadtpfarrer nach Frauenkirchen kam.
Lackner würdigte Kardinal Nemet als Vermittler zwischen Ost und West sowie zwischen Orthodoxie und Katholizismus. Als Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) sei der ungarischstämmige Erzbischof von Belgrad sowohl mit der Lage in Europa als auch mit der Realität einer christlichen Minderheitskirche vertraut. Als Mitglied des Steyler Ordens habe er einen Weitblick, der für die Kirche in der Welt und für ihre Mission von großer Bedeutung sei.
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