Florentiner Erzbischof Gambelli zu Mariä Himmelfahrt mit eindringlichem Appell für Schutz und Gleichberechtigung - Auch Kirche in der Pflicht
Florenz, 15.08.2026 (KAP) Klare Absage an patriarchale Denkweisen und Gewalt gegen Frauen: Zu Mariä Himmelfahrt hat sich der Erzbischof von Florenz, Gherardo Gambelli, gegen männliche Privilegien und verzerrte Rollenbilder ausgesprochen. In seiner Predigt am Samstag, die von der italienischen Online-Tageszeitung "Firenzepost" veröffentlicht wurde, kritisierte er die vielen Stimmen "in den sozialen Medien, in der Musik und leider sogar in einigen politischen Führungspositionen auf globaler Ebene", die eine falsche Vorstellung der Beziehung zwischen Frau und Mann vermittelten.
In der öffentlichen Debatte seien gravierende Rückschritte zu verzeichnen, denen man mit Erziehung begegnen müsse, so der Kirchenmann. "Wir müssen die jungen Generationen begleiten, damit sie nicht in die Irre geführt werden."
Kirche in der Pflicht
Dabei nahm er auch die katholische Kirche und ihre Gläubigen in die Pflicht. Die Kirche müsse sich in ihren grundlegenden Strukturen erneuern, so der Erzbischof. Das gelte auch für die Katholiken an "viel zu vielen" Arbeitsplätzen, "an denen immer noch ungerechtfertigterweise männliche Privilegien herrschen". Gambelli forderte: "Die Jünger Jesu dürfen nicht nur keine Urheber oder Komplizen sein, sondern müssen sich dafür einsetzen, zu einer echten Veränderung dieser Realitäten beizutragen."
Es bedürfe eines gemeinsamen Engagements, um die Mentalität des Besitzstrebens und der Unterdrückung zu überwinden, die bei so vielen Frauen zu psychischem und physischem Leid führe, so der Erzbischof. "Wir sind aufgerufen, den Schmerz der Opfer von Gewalt anzunehmen und Wege der Unterstützung aufzuzeigen, damit sie sich nicht allein fühlen und dabei unterstützt werden, ihre Würde und ihr Leben zurückzugewinnen."
Weiter verurteilte Gambelli sexuelle Ausbeutung. "Frauen ohne Schutz, nicht selten Minderjährige, zur Prostitution zu zwingen, ist eine schwerwiegende Sünde, begangen sowohl von den Organisatoren als auch von den Freiern." Dies sei eine unerträgliche Form der Sklaverei.
Maria und Josef als Vorbild
Als positives biblisches Vorbild führte Gambelli Josef von Nazareth an, den Ziehvater Jesu. Er habe Marias Willen respektiert und geschützt. "Josef ist derjenige, der es verstanden hat, sich der patriarchalischen Logik von Ehre und Besitz zu entziehen und Maria vor der Gewalt der gesellschaftlichen Urteile zu bewahren", so der Erzbischof.
Das Hochfest von der Aufnahme Mariens in den Himmel bezeichnete er besonders als Fest der Frauen: "der Frauen, die aufrecht stehen, derer, die wieder aufgestanden sind oder gerade wieder aufstehen."