Erzdiözese Olmütz sagt "LGBTQ+-Wallfahrt" nach Hassreaktionen ab
16.08.202610:01
Tschechien/Kirche/Gesellschaft/Sexualität
Geplantes Programm hätte unter der Schirmherrschaft von Erzbischof Nuzik Messe sowie Vorträge, Diskussionen und Workshops umfasst - Sprecher: Absage wegen Sicherheitsbedenken bedeute keinen Rückzug aus Seelsorge für LGBTQ+-Personen
Olmütz, 16.08.2026 (KAP) Die Erzdiözese Olmütz (Olomouc) hat eine für Mitte September geplante Wallfahrt für LGBTQ+-Personen abgesagt. Als Grund nannte die tschechische Erzdiözese eine zugespitzte Atmosphäre mit negativen bis hasserfüllten Reaktionen, aufgrund derer ein sicherer Raum für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht mehr gewährleistet werden könne. Die Absage bedeute jedoch keinen Rückzug aus der Seelsorge für LGBTQ+-Gläubige, so ein Sprecher am Wochenende. Die englische Abkürzung LGBTQ steht vor allem für nicht-heterosexuelle Menschen, die sich etwa als lesbisch, schwul oder queer identifizieren.
Die Veranstaltung sollte im Erzbischöflichen Palais in Olmütz stattfinden und wurde von der LGBTQ+-Seelsorge der Erzdiözese gemeinsam mit entsprechenden Initiativen der Diözesen Brünn und Ostrau-Troppau vorbereitet. Die Schirmherrschaft hatte der Olmützer Erzbischof und Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, Josef Nuzik, übernommen. Vorgesehen waren eine Messe sowie Vorträge, Diskussionen und Workshops.
Die Wallfahrt sollte heuer zum zweiten Mal stattfinden und nach Angaben der Erzdiözese LGBTQ+-Gläubigen, ihren Angehörigen und anderen Interessierten einen Raum für Begegnung, gemeinsames Gebet und offenen Dialog bieten. Das Motto der "Wallfahrt auf halbem Weg" deute darauf, dass alle Gläubigen auf ihrem Weg zu Gott noch "auf halbem Weg" sind. Die Organisatoren beschrieben die Wallfahrt als Ort für Menschen, die auf ihrem Glaubensweg nicht alle Antworten hätten und dennoch nicht allein unterwegs sein wollten.
Die von Erzbischof Nuzík unterstützte LGBTQ+-Seelsorge in Olmütz versteht sich ausdrücklich nicht als Konversionstherapie, sondern als offener kirchlicher Raum für LGBTQ+-Menschen sowie deren Familien und Freunde. Gleichzeitig bewegt sich diese Seelsorge innerhalb der von der Tschechischen Bischofskonferenz nach der vatikanischen Erklärung Fiducia supplicans gezogenen Grenzen: Die Bischöfe betonen einerseits die pastorale Hinwendung zu jedem Menschen, halten andererseits an der kirchlichen Lehre von der Ehe als Verbindung von Mann und Frau fest.