P. Wallner: Glaubensfreude des Südens hat therapeutischen Charakter
18.08.202611:38
Österreich/Kirche/Glaube/Missio/Wallner
Scheidender Missio-Nationaldirektor zieht im Ordenspodcast und gegenüber Radio Vatikan Bilanz seiner zehnjährigen Amtszeit
Wien/Rom, 18.08.2026 (KAP) Nach zehn Jahren als Nationaldirektor von Missio Österreich (Päpstliche Missionswerke) verabschiedet sich der Zisterzienserpater Karl Wallner am 31. August aus seinem Amt. Im Podcast "Orden on Air" der Österreichischen Ordenskonferenz zog er Bilanz über ein Jahrzehnt im Dienst der Weltkirche. Dabei hob er unter anderem den lebendigen Glauben hervor, den er auf vielen Reisen in den Globalen Süden erleben durfte. Die Kirche in Afrika, Lateinamerika und Asien brauche nicht nur die Hilfe der wohlhabenden Länder, sondern gebe durch die Vermittlung von Hoffnung und Glaubensfreude auch sehr viel zurück, betonte Wallner: "Diese Kirche lebt aus einer Glaubensfreude, die einfach für uns auch therapeutisch ist."
Der Begriff "Mission" werde heute oft kritisch betrachtet, räumte Wallner ein. Historische Fehlentwicklungen dürften nicht verschwiegen werden. Gleichzeitig plädierte er dafür, den Begriff neu zu verstehen. Mission bedeute heute nicht Bevormundung, sondern Partnerschaft.
Zu den eindrucksvollsten Erfahrungen zählen für Wallner die Begegnungen mit Christinnen und Christen in Afrika und Asien. Ob bei den Massai in Tansania, in den Christenvierteln von Lahore in Pakistan oder beim Besuch von Schulen und Pfarren: Überall erlebte er Menschen, die ihren Glauben mit großer Freude und unter oft schwierigen Bedingungen leben. Wallner nannte die große Freude am Glauben, die Wertschätzung der Sakramente und das starke Engagement der Laien als wertvolle Impulse für die Kirche in Europa. Besonders beeindruckten ihn die vielen Katechetinnen und Katecheten, die in den Gemeinden Verantwortung übernehmen und den Glauben weitergeben. Darin sieht er auch ein Zukunftsmodell für Europa.
Als Ordensmann sah Wallner gerade in den Ordensgemeinschaften wichtige Hoffnungsträger für die Zukunft der Kirche. Ihre Stärke liege in ihrer Kontinuität, ihrer geistlichen Verwurzelung und ihrer Fähigkeit, langfristig Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig müssten Orden ihre Sendung immer wieder neu übersetzen.
Große Chancen sah Wallner in der digitalen Kommunikation. Viele junge Ordensleute erreichten heute über soziale Medien Menschen, die mit Kirche sonst kaum in Berührung kommen: "Wir haben hier etwas, ein Instrument, das völlig neu ist: das mediale Wirken, auch die Katechese über die Medien."
Bewusstsein für weltkirchliches Netzwerk
Auch im Interview mit Radio Vatikan hat P. Wallner dieser Tage nochmals Bilanz gezogen. Als größte Herausforderung seiner Amtszeit nannte der Ordensmann dabei nicht die Arbeit in den Ländern des Globalen Südens, sondern die Bewusstseinsbildung in der Kirche in Österreich. Noch immer sei zu wenig bekannt, was die Päpstlichen Missionswerke eigentlich seien: nicht einfach eine weitere Hilfsorganisation, sondern ein weltkirchliches Netzwerk und ein "Service des Heiligen Vaters" für die Ortskirchen. Diese Aufgabe, die Weltkirche mit den Diözesen und Pfarren zu vernetzen, müsse auch künftig stärker ins Bewusstsein rücken, so Wallner. Darin sah er eine der zentralen Aufgaben der Päpstlichen Missionswerke - und zugleich eine Herausforderung, die über seine eigene Amtszeit hinausreicht.
Eine wichtige Veränderung der vergangenen zehn Jahre war für Wallner die starke Ausweitung der medialen Präsenz. Er verstehe diese Medienarbeit ausdrücklich als Teil von Seelsorge. Bei Missio gebe es mittlerweile auch einen Telefondienst mit zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich Zeit für Menschen nehmen, die anrufen. "Die Leute brauchen heute so was", sagte Wallner. Medien dürften deshalb nicht lediglich dazu dienen, Spenden zu sammeln. "Wir wollen für die Menschen da sein", beschrieb Wallner seinen Ansatz.
Wenn die Kirche Menschen erreichen wolle, müsse sie zu ihnen gehen, so seine Überzeugung. Papst Franziskus' Aufforderung, an die Ränder zu gehen, lasse sich auch medial umsetzen. Dass diese Strategie Wirkung zeigt, lasse sich auch an der digitalen Reichweite ablesen. "Wenn man nur in der Kirche steht und in unseren Sitzungssälen und wartet, bis die Leute kommen, werden wir lange warten."
Junge Menschen im Fokus
Ein besonderes Anliegen war und ist Wallner die Jugend. Mit Young Missio und den Gebetsabenden "Young Mission Praise" wolle Missio junge Menschen nicht erst dann ansprechen, wenn sie zu potenziellen Spenderinnen und Spendern geworden sind. Vielmehr gehe es darum, eine kommende Generation für Glauben und Weltkirche zu gewinnen, so Wallner: Die nächste Generation oder die nächsten Generationen müsse man jetzt erreichen. Dafür wurden unter anderem Jugendbewegungen miteinander vernetzt und eigene digitale Angebote entwickelt. Laut Missio erreicht der Instagram-Kanal von Young Missio inzwischen monatlich durchschnittlich rund 200.000 junge Menschen.
Schließlich berichtete der Zisterzienser auch über viele bewegende persönliche Begegnungen in den verschiedensten Ländern. Erinnerungen bewahre er auf seinem Handy auf, wo er eine Sammlung von "Trostbildern" habe - Fotos von lachenden Kindern und Menschen, denen mit Missio-Projekten geholfen werden konnte. In schwierigen Situationen würden ihn diese Trostbilder daran erinnern, worum es bei seiner Arbeit eigentlich gehe. "Wir arbeiten ja nicht, damit wir dann eine gute Bilanz haben", so Wallner. Der eigentliche Trost sei, "dass wir wirklich jetzt einer wachsenden jungen, armen Weltkirche helfen konnten". (Infos: www.missio.at)