Liederabend und Wanderausstellung zum 15. Todestag des jungen Italieners, der Förderlehrer für Kinder mit Behinderungen war - Vizepostulator Fabbri: Glaube als Lebensentscheidung und Dienst an anderen
Linz, 18.08.2026 (KAP) Neben dem im Vorjahr heiliggesprochenen Carlo Acutis gibt es in der katholischen Kirche zahlreiche weitere Lebenszeugnisse junger Menschen der Gegenwart, die zunehmend Beachtung finden. Eines davon ist der Italiener Luigi Brutti, der sich im Seligsprechungsverfahren auf der Stufe "Diener Gottes" befindet. An seinem 15. Todestag am Mittwoch (19. August) will der Priester, Liedermacher und Missio-Diözesandirektor Heinz Purrer die Geschichte Bruttis auch in Österreich bekannter machen. Dazu veranstaltet er um 19 Uhr ein Konzert in der Klosterkirche der Barmherzigen Schwestern in Linz.
Purrer tritt gemeinsam mit dem Musiker Werner Gumpinger auf. Auf dem Programm stehen unter anderem Lieder, die von Bruttis Gedanken inspiriert sind, darunter "Das größte Geschenk, das bist du". Zugleich wird eine Wanderausstellung eröffnet, die Bruttis Geschichte auch in andere Pfarren und kirchliche Einrichtungen tragen soll. Begleitend werden Informationsflyer zu seinem Leben aufgelegt.
Einsatz für Integration
Geboren wurde Luigi Brutti am 23. November 1984 in Montefiascone bei Viterbo. Erst im späteren Jugendalter fand er zu einem intensiveren Glaubensleben. Nach seinem Studium arbeitete er als Förderlehrer für Kinder mit Behinderungen und setzte sich für deren Integration in den Schulalltag sowie für das soziale Miteinander ein. Auch in seiner Freizeit engagierte er sich für Menschen mit Behinderungen und andere Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Prägend wurde sein Glaube zunehmend auch für seine persönlichen Lebensentscheidungen. In einem geistlichen Tagebuch hielt er Gebete, Reflexionen und Vorsätze fest und schrieb darin über den Wunsch, sein Leben konsequent an der Liebe zu Gott und den Mitmenschen auszurichten. Mit seiner Verlobten Roberta plante er die Hochzeit, starb jedoch wenige Wochen davor, am 19. August 2011, im Alter von 26 Jahren nach einem schweren gesundheitlichen Zusammenbruch.
In seiner Heimat wird inzwischen regelmäßig an den jungen Italiener erinnert. Am 29. Juli 2022 wurde in Viterbo die diözesane Phase des Seligsprechungs- und Heiligsprechungsverfahrens eröffnet. Bruttis Geschichte wurde in einem Buch und einem Kurzfilm aufgegriffen. Sein geistliches Tagebuch ist hingegen noch nicht veröffentlicht; eine Publikation wird vorbereitet. Rund um seinen 15. Todestag sind in seiner Heimat mehrere Gedenkveranstaltungen geplant.
Lebenszeugnis statt Talent
In einem an seinem Geburtstag verfassten Gebet reflektierte Brutti über die Möglichkeiten, seinen Glauben weiterzugeben. Er äußerte den Wunsch, durch Stimme, Worte, Kunst, Bücher und Lieder von Gottes Liebe zu erzählen, stellte dem aber seine eigenen Grenzen gegenüber. Entscheidend sei für ihn letztlich nicht eine besondere Begabung, sondern das eigene Leben als Zeugnis: "Der lauteste Schrei ist meine Existenz. Das größte Geschenk ist mein Leben."
Darauf nimmt Purrers Lied Bezug. In den aufgelegten Flyern heißt es würdigend zu seinem Leben: "Luigi, genannt 'Gigio', hinterlässt das leuchtende Zeugnis eines jungen gläubigen Menschen, der Gott von ganzem Herzen liebte, echte Freundschaften pflegte und Tag für Tag den Menschen eine grenzenlose Liebe schenkte."
Für Don Luigi Fabbri, Vizepostulator im Seligsprechungsverfahren und Generalvikar der Diözese Viterbo, liegt die besondere Bedeutung Bruttis darin, dass sein Glaube nicht bei religiösen Überzeugungen stehen geblieben sei. "Das Leben mit Gott erfüllt sich in der Freude und in der Fülle darin, für andere nützlich zu sein", sagte Fabbri am Montag im Gespräch mit Kathpress. Gerade seine Arbeit als Förderlehrer für Kinder mit Behinderungen sei Ausdruck dieser Haltung gewesen.
Geistliches Tagebuch vor Veröffentlichung
Bruttis geistliches Tagebuch, das er mit 17 Jahren begonnen und bis kurz vor seinem Tod geführt hatte, umfasst 21 handgeschriebene Hefte. Seine Eltern fanden sie wenige Tage nach seinem Tod in einer Schublade. Die Schriften seien inzwischen von der theologischen Kommission im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens geprüft worden, berichtete Fabbri. Eine Veröffentlichung werde vorbereitet.
Bruttis Botschaft sei auch für heutige Jugendliche aktuell, betonte der Vizepostulator. Dazu gehörten der Glaube als Sinn des Lebens, ein versöhnter Umgang mit eigener Schwäche und die Aufmerksamkeit für Menschen am Rand der Gesellschaft. Mit 18 Jahren habe Brutti geschrieben: "Ich entscheide mich dafür, die Liebe zu meinem Lebensstil zu machen." Darin liege ein Kern seines Zeugnisses, so Fabbri. Liebe sei eine freie Entscheidung, die den Menschen dazu bringe, sich anderer anzunehmen.
Das Seligsprechungsverfahren schreitet laut Fabbri ohne Zeitdruck voran. Die diözesane Untersuchung sammle weiterhin Belege, Schriften und Zeugenaussagen zum christlichen Tugendleben Bruttis. Die Bekanntheit seines Zeugnisses habe sich inzwischen über Italien hinaus verbreitet, unter anderem nach Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland, auf die Philippinen, nach Israel, in die USA, nach Sierra Leone und auch nach Österreich.