Spanien entlässt verurteilten Mörder von Jesuiten in El Salvador
18.08.202615:07
Spanien/El Salvador/Justiz/Mord/Geschichte/Orden
Ursprünglich zu 133 Jahren Haft verurteilter Oberst Orlando Montano aus El Salvador kommt aus medizinischen Gründen vorzeitig aus Haft frei
Madrid, 18.08.2026 (KAP) Der wegen der Ermordung des spanischen Jesuiten Ignacio Ellacuría (1930-1989) und vier weiterer Ordensleute in El Salvador verurteilte frühere Oberst Inocente Orlando Montano ist am Montag aus medizinischen Gründen vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Die spanische Audiencia Nacional gewährte dem 84-Jährigen die bedingte Haftentlassung, geht aus Medienberichten hervor. Er muss seine medizinische Behandlung künftig an seinem Wohnort fortsetzen.
Montano war 2020 in Spanien wegen fünf terroristisch motivierter Morde zu insgesamt 133 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Für die tatsächliche Verbüßung setzte das Gericht eine Höchstdauer von 30 Jahren fest. Montano war seit 2017 in Untersuchungshaft beziehungsweise Haft.
Der zuständige Richter José Luis Castro begründete die Entscheidung mit einem weit fortgeschrittenen kognitiven Abbau und Wahnvorstellungen. Montano sei dadurch im Gefängnis besonders vulnerabel und bei alltäglichen Verrichtungen in hohem Maß auf Hilfe angewiesen. Seine irreversible, schwere Erkrankung und häufige Krankenhausaufenthalte machten eine Behandlung außerhalb des Gefängnisses erforderlich. Die Entscheidung entspreche den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Würde des Menschen.
Ellacuría und vier weitere spanische Jesuiten wurden am 16. November 1989 auf dem Gelände der Zentralamerikanischen Universität (UCA) in San Salvador von Soldaten ermordet. Ebenfalls getötet wurden eine Haushälterin und deren 15-jährige Tochter. Montano wurde in Spanien jedoch nur für fünf der Morde verurteilt, da die USA ihn nicht wegen der übrigen Taten ausgeliefert hatten.
Das Gericht stellte in seinem Urteil fest, dass die Morde vom damaligen militärischen Oberkommando geplant und angeordnet worden waren. Montano gehörte diesem als damaliger Vizeminister für öffentliche Sicherheit an. Ziel sei auch gewesen, Ellacuría und die anderen Jesuiten fälschlich als intellektuelle Unterstützer der Guerilla darzustellen.
In El Salvador ist im selben Fall weiterhin ein Verfahren anhängig. Der Prozess gegen elf Beschuldigte, darunter den früheren Präsidenten Alfredo Cristiani und ehemalige Militärs, wurde auf den 14. Oktober 2026 vertagt. Ursprünglich hätte er bereits im Juli beginnen sollen. Nach Angaben von Infobae war unter anderem eine geplante Vernehmung Montanos per Videokonferenz nicht zustande gekommen, weil Spanien auf ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen nicht reagiert hatte.
Ignacio Ellacuría galt als einer der prägenden Vertreter der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Der in Spanien geborene Jesuit wirkte als Rektor der Zentralamerikanischen Universität (UCA) in San Salvador und verband theologische Reflexion mit der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Im Zentrum seines Denkens stand die "Option für die Armen": Theologie sollte sich nicht von den Lebensrealitäten der Ausgegrenzten lösen, sondern zu ihrer Befreiung und zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen. Ellacuría setzte sich zudem für einen Dialog zwischen den Konfliktparteien im salvadorianischen Bürgerkrieg und für dessen friedliche Lösung ein.