Knapp 400 Quadratmeter Anbaufläche werden nachhaltig bewirtschaftet - Ernte für Kloster Mater Ecclesiae und karitative Zwecke
Vatikanstadt, 18.08.2026 (KAP) Der Gemüsegarten neben dem Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten wird künftig vollständig biologisch bewirtschaftet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Maximierung des Ertrags, sondern ein schonender Umgang mit Boden und Pflanzen sowie die Beachtung natürlicher Wachstums- und Erntezeiten, geht aus einem Bericht von Vatican News (Dienstag) hervor. Das Projekt orientiere sich an den Grundsätzen der von Papst Franziskus veröffentlichten Umwelt-Enzyklika "Laudato si'".
Auch Papst Leo XIV. habe den Gedanken der Bewahrung der Schöpfung aufgegriffen, erinnert das Portal. Bei einer Ansprache an italienische Agronomen und Forstleute im vergangenen Jahr bezeichnete er deren Arbeit als konkrete Form der Fürsorge für die Erde und kommende Generationen. Die Erde sei "kein Besitz, sondern ein Geschenk", so der Papst.
Bewirtschaftet wird die knapp 400 Quadratmeter große Fläche auf vier Terrassen vom Garten- und Umweltdienst des Vatikans. Ein erfahrener Gärtner arbeitet dabei mit jungen Mitarbeitern zusammen. Auch die Ordensfrauen des Klosters Mater Ecclesiae sind in die Bewirtschaftung eingebunden und geben vor, welche Pflanzen jeweils benötigt werden.
Fruchtwechsel und Algen-Dünger
Bei der Düngung kommt ausschließlich zertifizierter pelletierter Dünger zum Einsatz. Durch Fruchtwechsel und andere agronomische Methoden soll die Bodenfruchtbarkeit erhalten und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglichst gering gehalten werden. Unter anderem werden Hülsenfrüchte genutzt, die Stickstoff im Boden binden. Derzeit wird zudem ein Dünger auf Algenbasis bei Tomaten erprobt. Die Bewässerung erfolgt weiterhin vollständig von Hand.
Angebaut werden je nach Jahreszeit unter anderem Knoblauch, Basilikum, Chilis, Tomaten, Melanzani, Paprika, Zucchini, Gurken und Kürbisse. Ende August beginnt die Aussaat für die Wintersaison mit Kohl, Brokkoli, Spinat und Salat. Zum Bestand gehören auch rund 150 Jahre alte Zitrusbäume. Deren Früchte werden unbehandelt verwendet; die Ordensfrauen verarbeiten sie unter anderem zu Marmeladen, kandierten Schalen und Keksen.
800-jähriger Gemüsegarten
Der kleine Garten blickt auf eine rund 800-jährige Geschichte zurück. Papst Nikolaus III. ließ nach der Verlegung der päpstlichen Residenz vom Lateran in den Vatikan im späten 13. Jahrhundert dort einen Obstgarten und einen Nutzgarten anlegen. Die Fläche diente der Versorgung des päpstlichen Haushalts.
Heute steht der Garten auch für die Verbindung von Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und klösterlichem Leben. Die Schwestern des Klosters Mater Ecclesiae, das Johannes Paul II. in den 1990er Jahren für eine kontemplative Gemeinschaft einrichten ließ, nutzen die Erzeugnisse weiterhin für den eigenen Bedarf und teilweise für karitative Zwecke. Die Schwestern waren von 2013 bis 2022 auch für die Pflege von Papst Benedikt XVI. nach dessen Emeritierung zuständig.