UN-Generalsekretär fordert am Welttag Schutz humanitärer Mitarbeiter - Caritas, Ärzte ohne Grenzen und World Vision: Angriffe auf Kollegen zunehmend eine "Kriegstaktik"
Wien, 19.08.2026 (KAP) UN-Generalsekretär António Guterres hat zum Welttag der humanitären Hilfe am Mittwoch auf die wachsende Gefährdung von Helferinnen und Helfern in Krisengebieten hingewiesen. In den vergangenen drei Jahren seien mehr als 1.000 humanitäre Helfer getötet worden, die meisten davon lokale Kräfte, die in ihren eigenen Gemeinschaften tätig gewesen seien. Viele weitere seien nur knapp dem Tod entkommen, nachdem sie beschossen, bombardiert, entführt oder angegriffen worden seien. Zugleich würden Schulen und Krankenhäuser beschossen und neue Waffentechnologien wie bewaffnete Drohnen zusätzliche Risiken schaffen.
"Anderen zu helfen ist heute gefährlicher denn je", erklärte Guterres in seiner Botschaft. Gleichzeitig würden Desinformation das Vertrauen in die humanitäre Arbeit untergraben, die Mittel für Hilfsprogramme gekürzt und der Zugang zu Menschen in Not erschwert. Hilfskonvois würden blockiert, Helfer bedroht, festgenommen und inhaftiert. "Angriffe auf humanitäres Personal sind rechtswidrig", betonte der UN-Generalsekretär. Er forderte die Staaten auf, die Regeln der Kriegsführung einzuhalten, sicheren Zugang für humanitäre Hilfe zu gewährleisten, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen und ausreichende Mittel bereitzustellen. "Wir müssen ihnen zur Seite stehen", so Guterres über die Helfer.
Auch österreichische Hilfsorganisationen berichten von einer zunehmenden Gefährdung ihrer Mitarbeiter. Sabine Wartha, stellvertretende Leiterin der Internationalen Programme der Caritas Österreich, berichtete am Mittwoch im Gespräch mit Kathpress, dass erst vor einem Monat eine Caritas-Kollegin in der Ukraine, Yana Zhernovska, getötet worden sei. Ähnlich sei es auch Mitarbeiterinnen in Gaza und im Südlibanon ergangen. Angriffe auf Helfer seien zu einer "Kriegstaktik" geworden, weil diese Hilfe zu den Menschen brächten und zugleich Verletzungen des humanitären Völkerrechts dokumentierten, so Wartha. Sicherheitskonzepte und die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern seien wichtig, könnten den Schutz durch das Völkerrecht aber nicht ersetzen.
Wartha würdigte den Einsatz der humanitären Helferinnen und Helfer, die trotz der Gefahren ihre Arbeit fortsetzten. "Sie leisten tagtäglich Unglaubliches, um die Menschen in Not zu erreichen, und sind oft selbst der Gefahr ausgesetzt", sagte sie. Viele riskierten dabei ihr eigenes Leben und ließen ihre Familien und Kinder zurück, um weiterzuarbeiten. "Das gebührt den höchsten Respekt", betonte Wartha.
Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich, warnte vor einer zunehmenden Erosion dieses Schutzes. Allein 2025 seien rund 1.400 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen dokumentiert worden. Dabei seien fast 2.000 Menschen getötet worden - mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Es gehe nicht nur um abstrakte völkerrechtliche Prinzipien, sondern darum, ob Krankenwagen passieren könnten, Verletzte versorgt würden und medizinisches Personal sicher arbeiten könne. Auch bei neuen Technologien wie autonomen Waffensystemen müsse das humanitäre Völkerrecht gelten.
Auf die wachsende Gefahr durch Drohnen und andere neue Waffensysteme verwies auch World Vision. Im Sudan seien bei einem Drohnenangriff auf ein Lehrkrankenhaus in Darfur mindestens 64 Menschen getötet worden, darunter 13 Kinder. Die Organisation warnte, dass humanitäre Einrichtungen und Helfer zunehmend selbst zur Zielscheibe würden. Besonders gefährdet seien lokale Mitarbeiter, die ihre Familien nicht einfach in Sicherheit bringen könnten.
Zum Schutz der Helfer und der Zivilbevölkerung forderten die Organisationen bei einer Pressekonferenz des Humanitarian Congress Vienna auch ein stärkeres politisches Engagement Österreichs. Die geplante Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat 2027 und 2028 solle genutzt werden, um die Einhaltung des humanitären Völkerrechts einzufordern und bei Verstößen auf Konsequenzen zu drängen. Auch der Einsatz von Hunger als Kriegsmittel müsse verhindert und verfolgt werden.
Hilfsorganisationen drängen auf Schutz der Zivilbevölkerung, medizinischer Hilfe und humanitärer Helfer - Klare Positionen von Österreich bei Hunger als Kriegsmittel und autonomen Waffen vonnöten