Speyerer Bischof Wiesemann tritt überraschend zurück
19.08.202613:27
Deutschland/Kirche/Personal/Leute/Papst
Diözese gibt gesundheitliche Gründe des 66-Jährigen für Rücktrittsgesuch an, das inzwischen vom Papst angenommen wurde
Bonn, 19.08.2026 (KAP/KNA) Der seit 2008 amtierende Bischof der deutschen Diözese Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, tritt überraschend zurück. Der 66-Jährige hatte den Papst aus gesundheitlichen Gründen um seine Entpflichtung vom Amt des Bischofs gebeten, teilte die Diözese Speyer am Mittwoch mit. Papst Leo XIV. nahm das Rücktrittsgesuch Wiesemanns an, wie der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz mitteilten.
Der Bischofskonferenz-Vorsitzende und Münsteraner Bischof Heiner Wilmer nahm das Rücktrittsgesuch Wiesemanns "mit Respekt und Bedauern" zur Kenntnis. In einem Brief an Bischof Wiesemann schrieb Wilmer: "Für die Diözese Speyer und die Deutsche Bischofskonferenz bedeutet Dein Rücktritt einen großen Verlust. Gleichzeitig empfinde ich Hochachtung vor Deiner Entscheidung, die Du lange im Herzen erwogen hast und die Dir nicht leichtgefallen ist."
"Last der Verantwortung"
Wiesemann schreibt in einem Brief an die Katholiken in seiner Diözese: "Ich bin mit ganzem Herzen und großer innerer Freude mit Ihnen Christ und für Sie Bischof gewesen. Dennoch hat die Last der umfänglichen Verantwortung in mir körperlich, wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen."
Ihm sei bewusst geworden, dass er die Kraft nicht mehr habe, "die ganze Wegstrecke bis zur vollständigen Umsetzung der anstehenden Strukturreformen zu gehen". Wiesemann schreibt weiter: "Ich sehe es auch als Verantwortung an, wenn man weiß, dass man einer Aufgabe nicht mehr im nötigen Umfang gerecht werden kann, das auf Zeit verliehene Amt für einen anderen, nun besser Geeigneten, wieder freizugeben". Er wisse, dass seine Entscheidung viele Menschen bewegen werde, und bitte um Verständnis für seinen Schritt.
"Schonungslose" Missbrauchsaufarbeitung
Wiesemann setzte sich von Beginn an für den Reformdialog "Synodaler Weg" ein und unterstützte dessen Beschlüsse. Wilmer erklärte mit Blick auf Wiesemann: "Das Thema des sexuellen Missbrauchs hat Dich tief erschüttert - mit Blick auf die Bundesebene, aber auch in Deiner Diözese". Dabei sei es Wiesemann "um eine transparente und schonungslose Aufarbeitung" gegangen. Eindrücklich habe Wiesemann das Wohl der Betroffenen sexueller Gewalterfahrung in den Vordergrund gestellt "und in diesem Kontext zu Recht Machtstrukturen der Kirche hinterfragt", so Wilmer.
Der Missbrauchsskandal hatte bei Wiesemann eine Depression ausgelöst. Auf dem Katholikentag in Würzburg hatte der Speyerer Bischof vor großem Publikum darüber berichtet, wie die Krankheit auch seinen Glauben und sein Selbstbild als Bischof verändert hatte.