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Ethik
Bild Copyright: © Gerd Altmann/Pixabay

Experten: Würde des Menschen muss auch in KI-Zukunft Maßstab bleiben

21.08.2026 08:54
Österreich/Kirche/Ethik/Glaube/KI
Salzburger Priester und KI-Experte Lackner und Ordensmann Br. Thomas in "Rupertusblatt"-Interview über KI und Bewegung des Transhumanismus - Menschen nicht auf Leistungsfähigkeit reduzieren
Salzburg, 21.08.2026 (KAP) Die Würde des Menschen muss auch in einer digitalen Zukunft das Maß aller Entwicklungen bleiben. Das hat der Salzburger Priester Johannes Lackner im Interview mit dem "Rupertusblatt" (aktuelle Ausgabe) eingemahnt. "Wir sollten uns nicht von der Faszination des technisch Machbaren bestimmen lassen, sondern von der Frage, welche Welt wir für den Menschen gestalten wollen", so Lackner wörtlich. Am Ende gehe es weniger darum, ob KI menschliche Fähigkeiten übertreffen kann. Es gehe darum, "ob der Mensch sich selbst auf Leistung, Daten und Optimierung reduzieren lässt".

Die technische Entwicklung fordere dazu heraus, neu über Freiheit, Würde und Verantwortung nachzudenken. Gerade darin liegt für Lackner auch eine Chance: Der Mensch könnte im Zeitalter der KI neu entdecken, was nicht berechenbar sei - Beziehung, Liebe, Gewissen, Glaube und Hoffnung.

KI könne vieles simulieren, aber sie könne den Menschen nicht ersetzen. Sie verarbeite Daten, doch sie besitze kein eigenes Bewusstsein, keine Freiheit und keine echte Liebe. Wenn eine KI schreibt: "Ich liebe dich", simuliere sie Liebe - sie empfinde sie nicht. "Wir müssen unterscheiden zwischen einer überzeugenden Darstellung menschlicher Fähigkeiten und wirklichem Personsein", so Lackner.

Der Mensch sei mehr als seine Leistungsfähigkeit. Seine Würde hänge nicht davon ab, "was er kann oder wie produktiv er ist, sondern davon, dass er Mensch ist. Als Christen begründen wir das damit, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist." Diese Würde dürfe nicht von Intelligenz, Gesundheit, Alter oder technischer Leistungsfähigkeit abhängig gemacht werden.

Johannes Lackner ist Priester, Theologe, Sportseelsorger und Büroleiter des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit Transhumanismus und ethischen Fragen rund um Künstliche Intelligenz. Das "Rupertusblatt"-Interview bestritt er gemeinsam mit dem Kapuziner und Politikwissenschafter Br. Brian Thomas.

Menschenwürde glaubhaft leben

Für den Ordensmann ist zentral, dass die Kirche Menschenwürde nicht nur behaupten, sondern auch leben muss: "Menschenwürde wird glaubwürdig, wenn Christen sie im Alltag sichtbar machen." Die Antwort auf eine technisierte Welt könne daher nicht nur aus Verboten bestehen, "sondern muss in einer Kultur der Beziehung und Nächstenliebe sichtbar werden".

Das gelte, wie Lackner ergänzte, für den Schutz des Lebens in allen Phasen - vom ungeborenen Kind bis zum alten oder kranken Menschen: "Christen sind aufgerufen, die Würde jedes Menschen nicht nur zu verteidigen, sondern konkret zu leben."

Überwindung von Leid, Begrenzung und Tod

Kritisch beleuchteten die beiden Experten im Interview die Bewegung des Transhumanismus. Es gehe nicht nur um die Heilung von Krankheiten, sondern um die Optimierung des gesunden Menschen; etwa durch Gentechnik, Mensch-Maschine-Schnittstellen oder Künstliche Intelligenz, so Lackner. Manche Vertreter hofften sogar, das menschliche Bewusstsein eines Tages auf Computer übertragen zu können. Dahinter stehe die Sehnsucht, Grenzen wie Krankheit, Alter oder Tod zu überwinden.

Thomas betonte, dass man diese Bewegung nicht einfach moralisch verurteilen dürfe. Sie mache deutlich, "dass der Mensch spürt: So, wie die Welt ist, sollte sie eigentlich nicht sein". Krankheit, Leid und Tod würden einer tiefen Sehnsucht nach Erfüllung widersprechen. Die entscheidende Frage laute jedoch: "Ersuchen wir, unsere Geschöpflichkeit abzuschaffen, oder lassen wir uns von Gott erlösen?"

Genau hier liegt laut Lackner der Unterschied zwischen Transhumanismus und christlichem Glauben: "Auch das Christentum kennt eine Verwandlung des Menschen - aber nicht durch technische Selbstoptimierung, sondern durch die Gnade Gottes. Der Transhumanismus verspricht, mit menschlichen Mitteln etwas zu erreichen, das Christen letztlich von Gott erwarten: die Überwindung von Leid, Begrenzung und Tod."
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