Vandalismus: Diözese Graz Seckau nimmt zu aktuellen Fällen Stellung
20.08.202611:44
Österreich/Kirche/Kriminalität/Kultur
Mutwillige Zerstörungen laut Diözesanverantwortlichen selten, Täter werden oft erwischt - Relief am Grazer Dom verwittert, nicht zerstört
Graz, 20.08.2026 (KAP) Aus aktuellem Anlass hat die Diözese Graz-Seckau auf ihrer Website zu zwei Vandalismusakten Stellung genommen und die Problematik aus kirchlicher Sicht erläutert. "Vandalismus ist eine Gemeinheit", komme aber Gott sei Dank selten vor. Die Täter würden oft erwischt und zur Kasse gebeten. Nicht alles, was vielleicht auf den ersten Blick wie mutwillige Zerstörung aussieht, sei auch eine solche.
Zuletzt sorgte die Beschädigung einer Kreuzigungsgruppe an der Pfarrkirche Deutschlandsberg für Aufregung. Derzeit noch unbekannte Täter haben drei hölzerne, etwa 200 Jahre alte Heiligenfiguren der Kreuzigungsgruppe von der Außenseite der Pfarrkirche gerissen und schwer beschädigt. Nun habe die Pfarre einen Schaden in fünfstelliger Höhe zu begleichen - ein finanzieller Kraftakt, zumal die Figuren erst vor wenigen Jahren um knapp 10.000 Euro restauriert wurden.
Ein ähnlicher Fall war im Winter in Graz-Karlau zu beklagen: Hier wurden wertvolle Fenster zerstört und Gemälde beschädigt; der Schaden lag im mittleren fünfstelligen Bereich. Hier wurden die Schäden inzwischen behoben. Der Täter wurde gefasst, eine Gerichtsverhandlung fand bereits statt.
Videoüberwachung
Laut Martin Halmer, Ökonom der Diözese Graz-Seckau, würden derartige Vandalenakte nur sehr selten vorkommen. "Bei den wenigen Zerstörungen, die wir registriert haben, handelt es sich um Taten von geistig verwirrten Personen", ergänzte Diözesankonservator Heimo Kaindl in dem Bericht. Nicht immer reiche die Versicherung zum Beheben der Schäden. In Deutschlandsberg etwa habe man eine Spendenaktion gestartet. In schweren Fällen unterstütze die Diözese die betroffenen Pfarren. Zudem fordere man diese Gelder von den Tätern zurück, denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese ausgeforscht werden, sei beträchtlich: "Viele unserer kirchlichen Objekte sind unauffällig mit Kameras geschützt", so Ökonom Halmer.
Alterung statt Vandalismus
Ganz anders gelagert ist jener Fall, der im Sommer in Graz für mediale Aufregung sorgte: Ein beschädigtes Relief am Dom mit einem Jesus ohne Gesicht erregte so manche Gemüter. Das besagte Relief befindet sich allerdings zumindest seit 1998 in diesem Zustand, wie es im Diözesanbericht heißt. Seit 1998 sei dieses "Epitaph" im Diözesanen Kunstgutverzeichnis dokumentiert, erläuterte Heimo Kaindl. "Durch den Abwitterungsprozess sind das Gesicht Jesu sowie Teile der Arme und Beine des Stifters und seiner Frau, aber auch nahezu die gesamte Inschrift am Gebälk verloren gegangen. Es handelt sich nicht um einen Vandalenakt, sondern die ganz normale Alterung, der auch wir als Menschen unterworfen sind", so der Diözesankonservator.
Bei der Darstellung handle es sich zudem um den Grabstein einer Privatperson und um kein Verehrungsobjekt. Es sei das Familien-Bekenntnis zum christlichen Glauben, verbunden mit der Hoffnung auf die Auferstehung. Deswegen seien die Stifter kniend unter dem Kreuz dargestellt. Wie das Epitaph im Original ausgesehen hat, lasse sich nicht mehr nachvollziehen und jede Rekonstruktion würde der Phantasie entspringen.
Kaindl: "Eine Restaurierung macht dann Sinn, wenn es sich um ein Kultbild handelt, das für den gottesdienstlichen Gebrauch wichtig ist. Dann würde die Restaurierung in eine Rekonstruktion übergehen, um den Kultcharakter deutlich zu machen." In diesem und in vielen weiteren ähnlichen Fällen, bei denen der Zahn der Zeit an der Kunst im Freien nagt, bemühe man sich, die Substanz zu erhalten, sodass erkennbar ist, um was es geht. All das ist am Grazer Dom eindeutig gegeben und leicht feststellbar, "wenn man sich ein wenig auskennt".