Armeniens neue Regierung sagt Kirchenführung den Kampf an
21.08.202608:59
(zuletzt bearbeitet am 21.08.2026 um 10:47 Uhr)
Armenien/Regierung/Kirche/Konflikte
Ministerpräsident Paschinjan nimmt Ablösung des armenisch-apostolischen Katholikos Karekin II. prominent in Regierungsprogramm auf
Jerewan, 21.08.2026 (KAP/KNA) Armeniens neue Regierung fordert immer vehementer die Ablösung des einflussreichen Oberhaupts der armenisch-apostolischen Kirche, Katholikos Karekin II. In ihrem Regierungsprogramm dreht sich ein eigenes Kapitel "Spirituelle Sicherheit" um die Kirche. Das Kabinett des pro-westlichen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan beschloss den Text am Donnerstag.
Man wolle eine Politisierung der Kirche verhindern und ausschließen, dass externe Kräfte die Kirche als "Stützpunkt für hybride Kriegsführung" nutzen, heißt es darin. Konkrete Staaten werden nicht genannt. Paschinjan bezeichnete Karekin II. als Agent Russlands; das Kirchenoberhaupt wehrt sich gegen die Behauptung.
Staat will Einsicht in Kirchenfinanzen
Im Regierungsprogramm heißt es: "Die Absetzung (Ruhestand) des De-facto-Oberhaupts der Heiligen Apostolischen Armenischen Kirche wird sichergestellt, und es wird gemäß dem festgelegten Verfahren ein Statthalter des Katholikos gewählt." Vor der Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts solle das Kirchenstatut so geändert werden, dass Finanztransparenz und ein korrektes Verhalten der Geistlichen sichergestellt seien. Armenischen Klerikern verspricht die Regierung die Aufnahme in die staatliche Sozialversicherung.
Paschinjan hatte bei der Parlamentswahl im Juni mit seiner Partei Zivilvertrag die absolute Mehrheit verteidigt. Anfang August wurde er erneut zum Regierungschef in Eriwan ernannt.
"Jüngstes Gericht" für Bischöfe
Karekin II. und sechs Bischöfe der Kirche stehen derzeit vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, einen abgesetzten Bischof entgegen gerichtlicher Anordnung nicht wieder eingesetzt zu haben. Den Angeklagten drohen bis zu zwei Jahre Haft. Nachdem sich ein Richter für befangen erklärt hatte, soll der Prozess am 28. August mit einem neuen Richter fortgesetzt werden.
Karekin II., der an diesem Freitag 75 wird, hatte die Vorwürfe als "haltlos und ungerecht" zurückgewiesen. Die Obrigkeit wolle "die Autorität der Kirche untergraben, ihre Autonomie einschränken und die Kirche ihrem Willen unterwerfen".
Die armenisch-apostolische Kirche spielt in Armenien eine große Rolle. Bei der Volkszählung 2022 bekannten sich rund 90 Prozent der Bevölkerung zu ihr. Sie gehört zur Familie der orientalisch-orthodoxen Kirchen.
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