Münsteraner Bischof und Bischofskonferenz-Vorsitzender plädiert für Verteidigung mit Augenmaß - Sorge vor verstärktem "postsäkularen Kulturkampf"
Münster/Bonn, 21.08.2026 (KAP/KNA) Angesichts von Krisen und Kriegen hat der deutsche Bischofskonferenz-Vorsitzende Heiner Wilmer davor gewarnt, sich von der Angst als "neuem Diktator" einschüchtern zu lassen. In einem am Freitag veröffentlichten "Kirche und Leben"-Interview sagte der katholische Bischof von Münster: "Für fatal hielte ich es, wenn wir uns aus lauter Angst zurückzögen, aus lauter Angst unsere Freiheit aufgäben, um in noch mehr Sicherheit und Kontrolle zu investieren. Angst darf nicht unser Berater sein." Vielmehr gelte es, zusammenzustehen.
Im ebenfalls am Freitag veröffentlichten Interview der "Westfälischen Nachrichten" erklärte Wilmer: "Wir sollten selbstbewusst, aber nicht arrogant sagen, woher wir stammen, wie uns unsere christlich-jüdischen Wurzeln prägen, wie wir in Europa auf verschiedenen Säulen stehen - auf dem christlich-jüdischen Denken, dem griechisch-römischen Erbe, aber auch auf den prägenden Einflüssen des Islam." Aus diesem Geflecht lasse sich "Kraft schöpfen für ein gutes Miteinander, für Offenheit und Freiheit". Wichtig sei dafür, das Urteilsvermögen der Menschen zu schärfen und zu prägen.
Mit Blick auf die von Friedensaktivisten kritisierte geplante Verleihung des Preises des Westfälischen Friedens an die Nato betonte Wilmer das Recht und die Pflicht zur Verteidigung, wenn ein Aggressor den Frieden bedrohe. Allerdings müsse bei der Wahl der Mittel auf Verhältnismäßigkeit geachtet werden. "Wir haben nur dann eine gute Chance auf Frieden, wenn wir uns vernetzen und zusammenstehen", sagte der Bischof.
"Noch mutiger werden"
Vor den Landtagswahlen schaue er "mit großer Sorge" auf Sachsen-Anhalt, sagte Wilmer. Er befürchte, "dass wir noch stärker in einen postsäkularen Kulturkampf driften und die Kluft in der Gesellschaft größer wird". Die Trennlinie verlaufe "längst nicht mehr nur zwischen links und rechts, sondern zwischen denen, die sich in dieser Gesellschaft bewegen, als gehöre sie ihnen, und denen, die sich auch nach Jahren noch als Gäste empfinden".
"Aber wir sollten uns auch hier nicht von Angst lähmen lassen", appellierte der Bischof. Er verwies auf die gleiche Würde eines jeden Menschen und betonte erneut die Position der Deutschen Bischofskonferenz, völkischer Nationalismus und Christentum seien unvereinbar. Wichtig seien unabhängige Medien, und ein "Sinn für Wahrheit" als "Basis für Freiheit". Er erklärte, die Kirche dürfe nicht zulassen, im Gespräch mit allen Menschen "sozusagen aus Versehen", zu Wahlhelfern "von denen zu werden, die fremdenfeindlich und antisemitisch sind".
Menschen, die aktuell auf die Straße gehen, um zu protestieren, bezeichnete der Bischof als "prophetische Stimmen", für die er sehr dankbar sei. "Aber ich glaube, wir dürften insgesamt noch mutiger werden", sagte er.