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Kardinal Schönborn im Irak
Solidarität
Bild Copyright: © Kathpress/Pulling

Nahost-Experte: Christen leben zwischen Hoffnung und Angst

22.08.2026 08:41
Österreich/Libanon/Kirche/Krieg/Soziales/Schönborn/Grünwidl/Baghdi
Flüchtlingsbeauftragter von Kardinal Schönborn, Baghdi, im "Der Sonntag"-Interview: Die meisten Opfer der kriegerischen Konflikte sind "unschuldige Menschen, vor allem Frauen und Kinder" - Erzbischof Grünwidl ruft zu Hilfsaktion für den Libanon auf
Wien, 22.08.2026 (KAP) Die Christen im Nahen Osten, ganz gleich ob im Libanon, in Syrien oder im Irak, "haben ein Gefühl zwischen Hoffnung und Angst. Die Hoffnung aus dem christlichen Glauben heraus, dass es morgen besser wird, aber auch die Angst im Blick auf die Realität Tag für Tag". Das hat Manuel Baghdi im Interview mit dem Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" (aktuelle Ausgabe) betont. Der Nahost- und Flüchtlingsbeauftragte von Kardinal Christoph Schönborn, der nun auch eng mit dem neuen Wiener Erzbischof Josef Grünwidl zusammenarbeitet, rief angesichts der dramatischen Lage im Nahen Osten zu Solidarität und Hilfe auf: "Wir dürfen einfach nicht wegschauen", so Baghdi wörtlich. Die meisten Opfer der kriegerischen Konflikte seien "unschuldige Menschen, vor allem Frauen und Kinder".

Allein im Libanon seien derzeit rund 1,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Baghdi: "Christen öffnen ihre Türen, ihre Wohnungen, alle Kirchen, alle christlichen Institutionen sind offen für die Flüchtlinge aus dem Süden des Libanon." Diese Menschen hätten selber wenig, aber sie hätten "die Bereitschaft, anderen zu helfen".

Im Südlibanon lebten jahrhundertelang Christen in ihren Dörfern mit Sunniten, Schiiten und Drusen friedlich zusammen, so Baghdi: "Sie mussten flüchten und kehren jetzt in ihre Dörfer zurück. Sie haben nichts mehr, sie sehen die Trümmer ihrer zerstörten Häuser und Wohnungen. Bomben unterscheiden nicht zwischen Christen und Nichtchristen."

Baghdi stammt selbst aus dem Nahen Osten. Ende 1989 musste er sein Heimatland Syrien verlassen. "Dass ich in Österreich gelandet bin, ist eine Fügung Gottes", sagt er. Hier lernte er die Flüchtlingshelferin Maria Loley kennen, "weil ich damals Hilfe brauchte". Seit damals engagiert sich Baghdi ehrenamtlich in ihrer Bewegung, er lernte auch den damaligen Weihbischof Christoph Schönborn kennen. Seit 1995, als Schönborn Erzbischof wurde, war Baghdi mit ihm helfend unterwegs. "Wir waren auch in vielen Kriegsregionen, im Irak, in Syrien, im Libanon." Zwei Ziele hob Baghdi hervor: Die Unterstützung von Schulen, um den Kindern das Lernen zu ermöglichen, und Projekte für alleinstehende Frauen, die ihre Männer oft im Krieg verloren haben.

Erzbischof Josef Grünwidl hat gemeinsam mit Baghdi zur Unterstützung der Not leidenden Bevölkerung des Libanon aufgerufen. Eine Spendenaktion der Pfarre Baden-St. Stephan und weiterer Pfarren soll die Not zumindest ein wenig lindern. Erzbischof Grünwidl unterstützt die Aktion: "Helft uns helfen", so sein Appell. Die Spendenaktion läuft bis 30. September. Baghdi und der dann neu im Amt befindliche Wiener Generalvikar Andreas Kaiser werden die Spenden persönlich in den Libanon bringen.

Zur Frage, weshalb es selbst auch immer wieder persönlich in Krisenregionen reist, sagte Baghdi, es sei wichtig, "die Menschen vor Ort zu treffen, Trost zu spenden, zu helfen. Und ihnen damit auch zu zeigen, dass sie nicht allein sind."

(Spendenkonto: Bewegung Mitmensch - Maria Loley, IBAN: AT26 1100 0086 1580 0300, Verwendungszweck: "Spendenaktion Libanon 2026"; www.baden-st-stephan.at)
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