Deutscher Weltkirche-Bischof Bentz in offizieller Erklärung über Äußerungen des israelischen Ministers Ben-Gvir: "Moralischen Maßstab verloren" - Äußerungen zeigen wahren Charakter des Rechtsextremismus, nicht nur in Israel
Bonn, 22.08.2026 (KAP) Der Weltkirche-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Udo Markus Bentz, hat entsetzt auf Äußerungen des israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir zu gezielten Tötungen von Palästinensern reagiert. "Die Forderung, täglich 30 bis 40 Personen im Gazastreifen zu töten, zeigt ein erschreckendes Ausmaß an Verrohung und Menschenverachtung, das niemandem gestattet ist und erst recht nicht einem Minister, dem die öffentliche Sicherheit anvertraut ist", heißt es in einer am Freitag verbreiteten Stellungnahme des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz.
Der israelische Minister für nationale Sicherheit hatte sich für gezielte Tötungen von Palästinensern im Gazastreifen ausgesprochen. Seine Worte stießen international auf Empörung.
Der Minister habe Gruppen in der Bevölkerung des Gazastreifens das Menschsein abgesprochen, so Erzbischof Bentz. Das widerspreche grundlegend nicht nur dem christlichen, sondern dem biblischen Menschenbild, das Christen und Juden miteinander verbinde.
Solche Äußerungen wie von Ben-Gvir enthüllten den wahren Charakter des Rechtsextremismus, nicht nur in Israel: "Die Überzeugung, dass jeder Mensch über eine unantastbare Würde verfügt, ist hier gänzlich abwesend, zumindest hat sie anscheinend jede Relevanz in politischen und auch militärischen Auseinandersetzungen eingebüßt", so der Bischof. Er betonte: "Es ist eine Sache, die Gewalt der Hamas zu bekämpfen, und eine andere, in einem solchen Kampf jeglichen moralischen Maßstab im Denken und Handeln zu verlieren. Auch der Feind im Krieg bleibt ein Mensch."
Die Rhetorik des Ministers und der dahinterstehende "Ungeist" rückten jegliche Schritte zur Lösung der Konflikte im Nahen Osten in weite Ferne. Bentz bezeichnete es als befremdlich, dass die israelische Politik bisher schweige und "anscheinend nicht willens oder in der Lage ist, offensichtlich rechtsextreme Kräfte aus den Machtzentren zu entfernen". Die internationale Isolation Israels wachse. Es sei auch gut nachvollziehbar, so der Bischof, "wenn in der Europäischen Union über wirksame Sanktionen nachgedacht wird".