Südafrikanischer Kardinal wirft Israel Völkermord im Gazastreifen vor
22.08.202614:52
Israel/Palästina/Konflikte/Kirche/Gaza
Vorsitzender der Südafrikanischen Bischofskonferenz, Kardinal Brislins, in Erklärung, die direkt an Israels Regierung gerichtet ist: "Man darf nicht auf eine Entmenschlichung mit einer anderen antworten"
Johannesburg, 22.08.2026 (KAP/KNA) Deutliche Worte aus der katholischen Kirche in Afrika zum Umgang Israels mit der palästinensischen Bevölkerung: "Wir sind der Ansicht, dass die Politik und das Handeln der israelischen Regierung im Gazastreifen einen Völkermord darstellen", heißt es in einer Erklärung des Johannesburger Kardinals Stephen Brislin und weiterer Geistlicher des Kontinents.
In dem am Freitag vom internationalen Netzwerk "Priests Against Genocide" (Priester gegen den Völkermord) veröffentlichten Schreiben verweisen die Unterzeichner auf leidvolle Erfahrungen in der Geschichte Afrikas: "Nachdem wir gelernt haben, Entmenschlichung in unserer eigenen Geschichte zu erkennen, müssen wir dies auch mit Blick auf andere betroffene Völker tun."
Durch die Unterstützung Brislins, der Vorsitzender der Südafrikanischen Bischofskonferenz ist, erhält das Dokument besonderes kirchenpolitisches Gewicht. In dem Appell, der direkt an die israelische Regierung gerichtet ist, werden Antisemitismus und Islamfeindlichkeit gleichermaßen abgelehnt. Zugleich werden die "schweren Verbrechen" verurteilt, die von der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 begangen worden seien. Dabei wurden etwa 1.200 Menschen in Israel getötet und etwa 250 Geiseln entführt.
"Diese Verbrechen mindern Israels völkerrechtliche Verpflichtungen nicht, ebenso wenig rechtfertigen sie Völkermord oder kollektive Bestrafung. Man darf nicht auf eine Entmenschlichung mit einer anderen antworten", heißt es weiter in dem Text. Eine Reaktion der israelischen Regierung lag zunächst nicht vor.
Bereits 2024 hatte der damalige Papst Franziskus (2013-2025) für Aufsehen durch Aussagen in einem Buch gesorgt. Im Vorwort des Buchs "Hoffnung enttäuscht nie" schrieb er: "Nach Ansicht einiger Experten weist das Geschehen in Gaza die Merkmale eines Völkermords auf. Wir sollten sorgfältig prüfen, ob es in die von Juristen und internationalen Gremien formulierte technische Definition passt." Kritiker warfen ihm daraufhin vor, er habe sich ohne Not zu einem so heiklen Thema geäußert.
Der amtierende Papst Leo XIV. meidet den Begriff "Genozid" im Kontext des Gaza-Konflikts indes bewusst und verfolgt einen zurückhaltenderen, diplomatischeren Stil.