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Wissenschaft
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Weltkongress für Byzantinistik startet in Wien

24.08.2026 10:21
Österreich/Kulturgeschichte/Wissenschaft/Byzanz/Kongress/Christentum
Bis Freitag diskutieren 1.500 Expertinnen und Experten aktuelle Forschungsarbeiten und -ergebnisse zur Geschichte des Oströmischen Reiches - Wiener Byzanz-Experte Rhoby in "Presse": Viele schriftliche Quellen noch nicht bearbeitet, Studium von Handschriften liefert immer neue Entdeckungen
Wien, 24.08.2026 (KAP) Rund 1.500 Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus aller Welt kommen ab diesem Montag zum 25. Internationalen Kongress für Byzantinistik in Wien zusammen. Gastgeber sind die Universität Wien und die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Unter dem Motto "Byzantium Beyond Byzantium" werden bei dem alle fünf Jahre stattfindenden Kongress aktuelle Forschungsergebnisse aus zahlreichen Disziplinen präsentiert. Das Spektrum reicht von Archäologie, Geschichts- und Sprachwissenschaft sowie Kirchengeschichte bis zu den Digital Humanities. Der Wiener Byzanz-Experte Andreas Rhoby hat im Interview mit der "Presse" (Montag) einen Einblick in die verschiedenen Forschungsfelder gegeben und auch auf die historischen Verbindungen Österreichs zum Oströmischen Reich hingewiesen.

Rhoby arbeitet am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Wie er gegenüber der "Presse" sagte, sei Byzanz noch lange nicht ausreichend erforscht: "Wir betrachten heute Byzanz aus globaler Perspektive und zusammen mit anderen Disziplinen wie der Klima- und Umweltgeschichte unter Einbeziehung naturwissenschaftlicher Methoden. Viele schriftliche Quellen sind zudem noch nicht bearbeitet, und das Studium von Handschriften liefert immer wieder neue Entdeckungen."

Allein die Münzfunde, die bis nach Österreich und Skandinavien reichen, würden belegen, "dass es zwischen Ost und West regen Kulturaustausch gab". Seit dem 4. Jahrhundert nach Christus wurde das riesige Römische Reich von je einem Herrscher im Westen und einem im Osten regiert. Die politische und wirtschaftliche Schwäche Westroms nutzte dem Aufstieg Ostroms, das sich damals von der Balkanhalbinsel und Thrakien über Kleinasien, Syrien und Ägypten ausdehnte. "Byzanz haben wir es zu verdanken, dass das römische Recht zu uns kam. Byzanz hat uns zusammen mit den Arabern die Werke der antiken griechischen Schriftsteller überliefert. Byzanz hat dieses antike Erbe mit christlichen Werten angereichert", so Rhoby.

Der Experte verwies auch auf die Beziehungen zum heutigen österreichischen Raum. Um 800 war das Erzbistum Salzburg das kirchliche und kulturelle Zentrum des Ostalpenraums im fränkischen Reich Karls des Großen. In Salzburg hatte wohl auf Empfehlung des Kaisers Bischof Arn die Nachfolge von Virgil angetreten. Als Mann mit Verhandlungsgeschick habe er dem Kaiser gute Dienste erwiesen. Unter anderem schrieb er für den Herrscher ein wichtiges theologisches Gutachten zur Frage, ob der Heilige Geist auch aus Gottsohn oder nur aus Gottvater hervorgehe. Zur damaligen Zeit eine heftige dogmatische Kontroverse zwischen West- und Ostkirche und bis heute nicht gänzlich aufgelöst.

Rhoby: "Um diese Zeit könnte Karl der Große in Salzburg gewesen sein, um Gesandte des Patriarchen von Jerusalem zu treffen. Ob der Kaiser wirklich da war, ist in der Forschung zwar umstritten. In Verzeichnissen des 9. und 10. Jahrhunderts ist jedoch von Reliquien die Rede, die aus Jerusalem kamen. Erde von jenem Ort, an dem Gott stand, als er mit Moses sprach, Erde von jenem Ort, an dem Christus in den Himmel aufstieg, Überreste aus dem Grab Christi. Partikel vom Kreuz und Teile des Schwamms, mit dem Jesus gelabt wurde. Diese Reliquien sind aber verloren gegangen."

Weltkulturerbe ist heute aber das Verbrüderungsbuch von 784, das im Salzburger Stift St. Peter aufbewahrt wird. Darin werden Heilige aus Byzanz erwähnt. Das Buch sei das weltweit älteste erhaltene Buch für einen Gebetsverbund und ein Dokument für die Ausstrahlung Salzburgs über das fränkische Reich hinaus. Das Werk wurde im 11. Jahrhundert erweitert. Damals trugen sich Männer aus dem Osten in griechischer Schrift ein, was bedeutet, dass sie in Salzburg gewesen sein mussten. Eine Legende aus derselben Zeit besage, dass der amtierende Salzburger Erzbischof Gebhard nach Konstantinopel gereist sei, um dort den Kaisersohn zu taufen. "Das stimmt sicher nicht, denn man hätte dort im Glaubensstreit keinen römisch-katholischen Bischof taufen lassen. Doch wir können daraus lesen, dass der Bischof durch die Verbindung mit Byzanz in ein besonderes Licht gestellt werden sollte", erläuterte Rhoby.

Gebhards Nachfolger, Erzbischof Thiemo, sei aber jedenfalls in das Byzantinische Reich gereist, indem er sich dem Kreuzzug von 1101 anschloss. Dabei fand er in Kleinasien den Tod.

Auch Kunst mit byzantinischen Merkmalen sei in Österreich zu finden: In der Stiftskirche Nonnberg und in St. Peter seien wie in einigen romanischen Kirchen des Ostalpenraums italo-byzantinische Fresken erhalten. In St. Peter wie in der Johannes-Kapelle im steirischen Pürgg hätten Künstler arabische Schriftzeichen verwendet.

Wien bis Freitag weltweites Byzanz-Zentrum

In mehreren hundert Vorträgen und Fachsitzungen werden im Rahmen der Byzanz-Tagung bis Freitag etwa byzantinische theologische Literatur und religiöse Traditionen, das Verhältnis von Religion und Umwelt sowie religiöse Vielfalt in der Spätantike anhand neuer archäologischer und epigraphischer Funde behandelt. Auch theologische Fragestellungen nehmen breiten Raum ein, etwa theologische Literatur und Religion in Byzanz sowie Volksfrömmigkeit, monastische Traditionen und die Verflechtungen von Religion und staatlichen Strukturen.

Das Kongressmotto "Byzantium Beyond Byzantium" greift laut den Veranstaltern einen aktuellen Forschungstrend auf. So untersucht die Byzantinistik das Byzantinische Reich heute nicht mehr isoliert, sondern als Teil eines afro-eurasischen Mittelalters mit engen Verflechtungen zum lateinischen Westen, zur slawischen Welt und zur islamischen Kultur. Im Mittelpunkt stehen dabei auch die langfristigen Wirkungen der byzantinischen Kultur über den Untergang des Reiches und die Eroberung Konstantinopels 1453 hinaus.

Neben dem wissenschaftlichen Programm sind auch Veranstaltungen für die Öffentlichkeit geplant. Ausstellungen sowie Kooperationen mit Wiener Kulturinstitutionen sollen Einblicke in Geschichte und Kultur des Byzantinischen Reiches ermöglichen und aktuelle Forschung einem breiteren Publikum zugänglich machen, heißt es.

Der internationale Kongress für Byzantinistik ist weltweit die größte wissenschaftliche Veranstaltung, die sich den neuesten Forschungen und Erkenntnissen zum Byzantinischen Reich, seiner Geschichte und Kultur widmet. Seit dem ersten Kongress 1924 in Bukarest findet er etwa alle fünf Jahre an wechselnden Orten statt. Wien richtet die Tagung 2026 im Auftrag der Association Internationale des Etudes Byzantines aus. Die Byzantinistik hat in Wien eine lange wissenschaftliche Tradition und zählt international zu den etablierten Forschungsstandorten des Fachgebiets. (Link: https://www.icbs2026.org)
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