Bischof Feige warnt in Interview der "Herder Korrespondenz" davor, der in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei bei der Landtagswahl die Stimme zu geben
Freiburg/Magdeburg, 24.08.2026 (KAP/KNA) Der Magdeburger katholische Bischof Gerhard Feige warnt vor einem Sieg der AfD bei der Landtagswahl im Sachsen-Anhalt. "Die Auswirkungen einer AfD-Regierung wären verheerend", sagte Feige (74) in einem Interview der "Herder Korrespondenz" (September-Ausgabe). Und es sei nicht gesagt, dass die AfD "nach vier Jahren wieder weg wäre". In Ungarn habe es 16 Jahre gedauert, "bis sich die Ernüchterung Bahn gebrochen hat". Nach 16 Jahren an der Macht hatte in Ungarn Viktor Orbán bei der Parlamentswahl im April 2026 verloren - inzwischen regiert Péter Magyar als Ministerpräsident mit seiner proeuropäischen Tisza-Partei.
Am 6. September ist in Sachsen-Anhalt Landtagswahl. Die in dem deutschen Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD liegt in Umfragen bei 41 bis 42 Prozent und wäre damit klar stärkste Kraft.
Nicht AfD-Regierung "ausprobieren"
Bischof Feige hält nichts von der Vorstellung, dass Bürger nur einmal unter einer AfD-Regierung leben müssten, damit sie die Partei nicht wieder wählen würden. Wenn man ernst nehme, was im Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt steht, dann könne er "in keiner Weise nachvollziehen, dass man sie mal zum Ausprobieren in Regierungsverantwortung bringen will".
Das AfD-Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt sehe "enorme Einschnitte bei den Kirchen vor", sagte der Bischof. Er hoffe immer noch, dass es nicht zu einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt kommen werde. "Wirklich vorbereiten können wir uns nicht. Wir werden damit umgehen, wenn es so weit kommen sollte", sagte Feige.
Menschen nicht das Evangelium "überstülpen"
Wenig hält der Magdeburger Bischof von Aufrufen zur Evangelisierung, mit denen manche katholischen Bischöfe auf rückläufige Kirchenmitgliedszahlen reagieren. "Ich bin sehr skeptisch gegenüber Strategien und Methoden, mit denen Menschen bewusst überzeugt werden sollen", sagte Feige in dem "Herder Korrespondenz"-Interview. "Es geht nicht darum, Menschen das Evangelium überzustülpen. Die heutige Zeit fordert uns heraus, möglichst authentisch und diakonisch Kirche zu sein."
Feige wies darauf hin, dass in der Gesellschaft Entwicklungen wie die Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung und Digitalisierung voranschritten. "Die Welt ist unheimlich komplex geworden", sagte er. "Methoden zur Evangelisierung scheinen mir kaum die richtige Antwort auf diese komplizierten Phänomene zu sein." Es wäre zwar schön, wenn die Kirche wieder mehr Mitglieder hätte, aber das sei nicht das erste Anliegen, so Feige. "Die Aufgabe der Kirche ist es, selbstlos für die Gesellschaft da zu sein."
"Reformen sind notwendig"
Der Bischof mahnte die katholische Kirche zugleich, den "Kairos", den günstigen Augenblick zum Handeln, nicht zu verpassen. Dies zeige sich zum einen im Einsatz für Arme und Bedrängte. "Wachsam müssen wir auch innerhalb der Kirche sein. Den Vorwurf, wir seien zu sehr mit Strukturreformen beschäftigt, teile ich nicht", sagte Feige und fügte hinzu: "Reformen sind notwendig." Sie seien Teil der Evangelisierung. "Denn manche Strukturen werden zu Hindernissen für die Verkündigung des Evangeliums, weil Menschen sich so sehr an ihnen stoßen."