Kiewer Großerzbischof Schewtschuk: "Wir bitten um Solidarität"
24.08.202614:57
Ukraine/Kirche/Krieg
Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche prangert russische Drohnenangriffe auf Zivilisten an: "Dieser Krieg will die Erschöpfung, das Leid und sogar die seelische Qual der Menschen in ein Instrument politischen Drucks verwandeln"
Kiew/Vatikanstadt, 24.08.2026 (KAP) Die Grausamkeit des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und die zerstörerischen Folgen der eingesetzten Drohnentechnologie prangert der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk an. "In letzter Zeit wird jeder Monat blutiger als der vorherige", sagte das Oberhaupt der mit Rom verbundenen Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche in einem am Montag von Radio Vatikan veröffentlichten Interview. Ein Vorrücken an der Front werde für die russische Armee immer unmöglicher und sehr kostspielig. "Deshalb versuchen sie, Zivilisten anzugreifen, und verstärken so das Leid der Menschen", sagte Schewtschuk.
Jene, die Drohnen in Echtzeit steuern, könnten die Menschen, die sie töten, auf Kameras sehen. "Zu behaupten, zivile Opfer seien unbeabsichtigte, nicht direkt gewollte Opfer, ist nicht möglich", erklärte der Großerzbischof: "Dieser Krieg will die Erschöpfung, das Leid und sogar die seelische Qual der Menschen in ein Instrument politischen Drucks verwandeln."
"Werdet nicht müde, frei zu sein!"
"Wir bitten um Solidarität und Einigkeit, im Gebet, aber auch im humanitären Engagement", richtete Schewtschuk in dem Gespräch mit dem Vatikansender zum 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit einen eindringlichen Appell an die Welt. Das Gedenken an die staatliche Unabhängigkeit sei für die Ukrainer, "ein Tag des Gebets und der Besinnung darauf, wie wir heute nicht nur unsere Freiheit verteidigen, sondern auch unsere Zukunft positiv gestalten müssen", so der Großerzbischof. "Werdet nicht müde, frei zu sein!": Dies sei die grundlegende Botschaft, die die Ukraine an die ganze Welt senden könne.
Für Christen dürfe die Liebe zum Vaterland nicht zur Staatsvergötterung werden, fügte Schewtschuk hinzu. Der Rechtsstaat sei ein wichtiges Instrument zum Schutz der Menschenwürde, der Freiheit, des Gemeinwohls und des Rechts auf Leben des Volkes. "Die Liebe zum eigenen Vaterland ist kein Hass auf andere, sondern der Wille, Verantwortung für das eigene Volk zu übernehmen und ihm zu dienen", so der griechische-katholische Kirchenführer.
Am 24. August 1991 hatte das Parlament in Kiew für die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion gestimmt und die Gründung eines unabhängigen Staates verkündet. Seit 1992 ist der Tag der Nationalfeiertag.