Studie: Zahl der Entführungen steigt in Nigeria deutlich
27.08.202613:34
Nigeria/Kriminalität/Statistik
Schulkinder, Reisende und Bewohner ganzer Dörfer verschleppt - Landesweit aber deutliche Unterschiede
Lagos, 27.08.2026 (KAP/KNA) In Nigeria haben bewaffnete Gruppen innerhalb eines Jahres mehr als 7.800 Menschen entführt. Das geht laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) aus einer in der Nacht zu Donnerstag veröffentlichten Studie der Sicherheitsfirma SBM Intelligence mit Sitz in der Wirtschaftsmetropole Lagos hervor. Insgesamt erpressten die kriminellen Banden demnach knapp 5,8 Millionen US-Dollar.
Die Zahlen, die den Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 betreffen, spiegeln einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wider. Insgesamt wurden 1.713 Vorfälle - Entführungen sowie Einsätze von Sicherheitskräften gegen Entführer - registriert. 7.825 Menschen wurden verschleppt; mindestens 1.142 getötet, darunter 895 Zivilisten sowie Sicherheitskräfte und Entführer.
Von Juli 2024 bis Juni 2025 wurden noch 4.722 Menschen in mindestens 997 Vorfällen verschleppt. Mindestens 762 Personen starben.
Angehörige zahlen mehr Lösegeld
Deutlich gestiegen ist das erpresste Lösegeld; insgesamt knapp 5,8 Millionen US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum lag die Summe noch bei 1,66 Millionen US-Dollar. Verändert hat sich auch die Bereitschaft, Lösegeld zu zahlen: Während nun knapp ein Drittel des geforderten Geldes gezahlt wurde, waren es zuvor nur gut fünf Prozent. Die Autoren weisen darauf hin, dass zwischen den geforderten Summen und tatsächlichen Zahlungen aber meist ein großer Unterschied liegt.
Entführungen in Nigeria ereigneten sich mehrheitlich im Norden. Besonders betroffen war der Nordwesten mit 4.771 Entführungen, von denen sich 1.921 im Bundesstaat Zamfara ereigneten. Mit 63 Entführungen war der Südosten am wenigsten betroffen.
Experten in Nigeria sprechen längst von einer Kidnapping-Ökonomie. Die islamistischen Terrorgruppen Islamischer Staat in der Westafrikanischen Provinz (ISWAP) und Boko Haram zeichneten demnach nur für zehn Fälle verantwortlich.
Weniger entführte Priester und Ordensleute
Zurückgegangen ist laut der Studie das Entführungsrisiko für katholische Ordensleute, Katecheten und Priester-Anwärter. Insgesamt wurden vier Fälle im Bundesstaat Kaduna verzeichnet. In den Jahren zuvor lag die Zahl deutlich höher. Eine Erklärung dafür ist, dass die Kirche Lösegeldforderungen nicht nachkommt. Diese Position hat sie mehrfach öffentlich gemacht.
Allerdings werden längst nicht alle Entführungen verzeichnet. Noch schwieriger nachzuverfolgen sind Lösegeldzahlungen. Diese stellte der Senat 2022 sogar unter Strafe. Wer den Forderungen von Kidnappern nachkommt, dem droht eine Gefängnisstrafe von mindestens 15 Jahren.
Dass es zu Entführungen kommt, hat Experten zufolge verschiedene Gründe. Dazu gehört einerseits die schlechte wirtschaftliche Lage. Andererseits fehlt es gerade in ländlichen Regionen an Sicherheitskräften.