Kardinal hält Ablehnung alter Messe für Generationenfrage der 68er
28.08.202615:02
Italien/Vatikan/Kirche/Glaube/Liturgie/Reformen
Abneigung gegen außerordentliche Form des Römischen Ritus für emeritierten Gottesdienst-Präfekten Sarah "eher psychologischer Natur als wirklich begründet"
Rom, 28.08.2026 (KAP/KNA) Der emeritierte Kurienkardinal Robert Sarah (81) hält die Ablehnung der Tridentinischen Messe in der katholischen Kirche für ein vorübergehendes Phänomen. "Mir scheint es sich um eine Abneigung einiger selbstbezogener Kulturkreise zu handeln, die eher psychologischer Natur ist als wirklich begründet, und ich denke, dass es sich lediglich um ein Generationsproblem handelt", sagte er der italienischen Zeitung "il Giornale". Er fügte hinzu: "Wenn die Generation der 68er einmal vergangen ist, werden auch diese unbegründeten Einseitigkeiten verschwinden."
Sarah stand von 2014 bis 2021 an der Spitze der vatikanischen Gottesdienstbehörde. Aus seiner Sicht nehmen immer mehr Menschen auch weite Wege in Kauf, um an einer Messfeier in der alten, außerordentlichen Form des Römischen Ritus teilzunehmen. Das könne er nur bewundern, sagte Sarah. "Wenn die Hierarchie wirklich in der Lage ist, die Zeichen der heutigen Zeit zu deuten - und nicht die von 1968, womit sie wieder einmal zu spät dran wäre -, dann können sich Räume für einen brüderlichen und friedlichen Dialog öffnen."
Keinen Krieg erklären
Die Kirche könne denen, die fromm an der Messe teilnehmen, "keinen Krieg erklären", weil sie eine Form einer anderen vorziehen. "Das ist eine kurzsichtige und völlig ideologische Haltung, also weder seelsorgerisch noch christlich. Sie ist schädlich und zerstörerisch für die Kirche", betonte der Kardinal.
Laut Sarah darf der Zugang "zu den anerkannten und seit Jahrhunderten bestehenden rituellen Formen" nicht eingeschränkt werden. Sein Argument: "Wenn ein Ritus dem Glauben nicht dienen würde, würde er von selbst verschwinden."
Sarah: Franziskus demütigte Benedikt
Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hatte 2007 mit dem Erlass "Summorum Pontificum" erlaubt, dass wieder öfter Gottesdienste in jenem Ritus gefeiert werden dürfen, der in der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) schrittweise durch eine erneuerte Liturgie ersetzt worden war. Laut Sarah hatte diese Wiederzulassung den positiven Einfluss, Missbräuche bei der Feier in den Muttersprachen zu korrigieren. Benedikt XVI. habe "zutiefst demütig und demokratisch" gehandelt: "Er wollte eine möglichst breite Verbreitung gewährleisten, damit das Volk Gottes im Laufe der Jahrzehnte selbst entscheiden kann, welche Form der Umsetzung des Glaubens am besten entspricht."
Papst Franziskus hatte mit dem Motu Proprio "Traditionis custodes" (Hüter der Tradition) im Jahr 2021 die Feier des alten Messritus wieder eingeschränkt. Er legte den in der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum etablierten ordentlichen Messritus als "einzige Ausdrucksweise" des Römischen Ritus fest, da der bisherige Gebrauch laut Franziskus zu viel Spaltung hervorgerufen habe.
"Traditionis Custodes" hat laut Sarah die Bemühungen von Benedikt XVI. zunichtegemacht, "noch während der emeritierte Papst lebte". Das sei weder weise noch respektvoll gewesen, betonte der Kardinal und ergänzte: "Aber Benedikt, ein Mann, sanftmütig wie ein Lamm, ließ sich demütigen und brachte so in Stille und Gebet sein Leiden Gott dar, um sich besser in den Schmerz Christi für seine Kirche hineinzuversetzen und sie zu reinigen."