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Katholischer Kulturphilosoph Ivan Illich vor 100 Jahren geboren

30.08.2026 08:39
Österreich/Deutschland/Mexiko/USA/Gesellschaft/Bildung/Wissenschaft/Kirche/Leute/Illich
Radiosender Ö1 erinnert in Reihe "Gedanken für den Tag" an den aus Wien stammenden kämpferischen Zivilisationskritiker
Wien, 30.08.2026 (KAP) "Schafft die Schule ab": Dieser Slogan zählt zu den bekanntesten Aussagen des in Wien geborenen Zivilisationskritikers, Priesters und Sozialphilosophen Ivan Illich (1926-2002), der am 4. September seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Der bis zu seinem Tod 2002 im Bereich der Kultur- und Bildungsforschung tätige Illich wollte damit darauf hinweisen, wie "lebensferne Inhalte" der Schule zur Ausbreitung sozialer Ungleichheit in der Gesellschaft beitragen.

Im Radiosender Ö1 erinnert kommende Woche die Schriftstellerin Petra Nagenkögel in den "Gedanken für den Tag" (Montag bis Freitag, 6.57 Uhr) an den "unbestechlichen Diagnostiker der modernen Industriegesellschaft, ihrer 'Fortschrittsmythen', Werkzeuge und Institutionen", wie es in der Programmankündigung heißt. Nagenkögel greift einzelne Aspekte des vielseitigen Werks des "unangepassten und unbequemen" Denkers Illich auf und setzt sie in Bezug zur Gegenwart.

Ivan Illich wurde am 4. September 1926 in Wien geboren. Sein Vater war Katholik aus Dalmatien mit italienischer Staatsbürgerschaft, seine Mutter eine vom Judentum zur evangelischen Kirche konvertierte Deutsche. Von 1936 bis 1941 besuchte Illich das Piaristengymnasium in Wien-Josefstadt; 1941 musste die Familie wegen des NS-Rassenwahns Wien verlassen. Die Familie übersiedelte nach Italien, wo Illich in Florenz maturierte und ein Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie in Florenz begann. An der Gregoriana in Rom studierte er anschließend Theologie. 1951 promovierte er in Geschichte in Salzburg.

Nach der Priesterweihe war Illich zunächst als Seelsorger in den New Yorker Slums tätig. Von 1956 bis 1960 leitete er die Universität von Puerto Rico. 1961 gründete er in New York das "Center of Intercultural Formation", aus dem sich das "Centro intercultural de documentacion" (CIDOC) in Cuernavaca in Mexiko entwickelte. 1969 bekam Illich vom Vatikan die Dispens vom Priesteramt, erklärte jedoch, dass er weder vom Breviergebet noch vom Zölibat befreit werden wolle.

Illich lehrte an verschiedenen Universitäten, so zum Beispiel in Berkeley bei San Francisco und an der University of Pennsylvania. Außerdem war er Gastprofessor in Kassel, Marburg und in Bremen, wo er am 2. Dezember 2002 im Alter von 75 Jahren starb. Seine Veröffentlichungen unter anderem zum Gesundheitssystem, zum Bildungswesen oder zu den modernen Informationstechnologien weisen ihn als einen der bedeutendsten "Querdenker", als einen scharfsinnigen Analytiker und sprachmächtigen Zivilisationskritiker höchsten Ranges aus.
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