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Ungarn gedachte der "Katastrophe von Mohács" vor 500 Jahren

29.08.2026 15:10
Ungarn/Geschichte/Gesellschaft/Kirche/Politik
Gottesdienst mit ungarischen Bischöfen und Ministerpräsident Magyar
Budapest/Mohács, 29.08.2026 (KAP) Ungarn gedachte am Samstag der "Schlacht von Mohács" vor genau 500 Jahren. Das Gedenken sei nicht nur Anlass zur Trauer, sondern auch zur Dankbarkeit dafür, dass das ungarische Volk trotz seiner leidvollen Geschichte seine Sprache, Kultur, Erinnerung und seinen christlichen Glauben bewahren konnte, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Janos Szekely bei einem großen Gottesdienst in Mohács, an dem auch Ministerpräsident Péter Magyar teilnahm. Die heutigen Generationen müssten den Werten treu bleiben, für die ihre Vorfahren ihr Leben geopfert hätten, und auf diesen Werten die Zukunft des Landes aufbauen, mahnte Szekely.

Am 29. August 1526 vernichtete das osmanische Heer unter Sultan Süleyman I. nahe Pécs (Fünfkirchen) im Süden des Landes die zahlenmäßig unterlegene ungarische Armee unter dem Jagiellonen-König Ludwig II. Wenig später konnten die Osmanen große Teile Ungarns und Kroatiens unterwerfen. Die "Katastrophe von Mohács" ist für die Ungarn bis heute nicht einfach eine verlorene Schlacht, sondern gilt als einer der schwärzesten Tage der ungarischen Geschichte und nachwirkendes kollektives Trauma.

"Wir erinnern uns an jene, die ihr Leben für Christus und ihre Heimat hingegeben haben, und stellen sie uns heute, 500 Jahre nach ihrem Tod, als Vorbilder vor Augen", sagte der Erzbischof von Kalocsa-Kecskemét, Balázs Bábel, in seiner Predigt bei dem Gottesdienst. Neben fast allen Mitgliedern der Ungarischen Bischofskonferenz nahmen auch Bischöfe aus Regionen der Nachbarländer mit ungarischen Minderheiten an der Feier teil.

Im Rahmen der Liturgie wurden auch Urnen mit kleinen Knochenresten, die aus den Massengräbern geborgen wurden, in der St.-Stephans-Kapelle der Kirche in Mohács zur letzten Ruhe gebettet. An der Mohács-Nationalgedenkstätte in Sátorhely fand am Nachmittag eine weitere Zeremonie zur Umbettung von bei Ausgrabungen gefundenen Gebeinen von Schlachtopfern statt.

Kardinal Erdö: Verantwortung und Zusammenhalt

Das Gedenken an die "Helden und Opfer" von Mohács sei ein gemeinsames Erbe der ungarischen Nation, dessen Erinnerung dazu mahne, das Wohl der Gemeinschaft nicht persönlichen Interessen unterzuordnen, erinnerte der ungarische Primas Kardinal Péter Erdö in einer am Samstag von der Erzdiözese Esztergom-Budapest veröffentlichten schriftlichen Botschaft. Mohacs lehre auch heute Verantwortung, Weitsicht und Zusammenhalt; es sei nicht nur eine Niederlage, sondern gebe Zeugnis über Treue, Standhaftigkeit und Opferbereitschaft, so der Kardinal.

Man dürfe die Zukunft des Landes nicht für persönliche Vorteile aufs Spiel setzen. Vielmehr gelte es, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, Spaltungen zu überwinden und gemeinsam für das Wohl der Gesellschaft und der kommenden Generationen zu arbeiten, so Erdö. Die Erinnerung an Mohács rufe daher dazu auf, aus der Geschichte zu lernen, uneigennützig das Gemeinwohl zu suchen und das Leben im Glauben zu fördern.

150 Jahre unter osmanischer Herrschaft

Fast 20.000 Kämpfer aus dem Heer Ludwigs II. blieben vor 500 Jahren auf dem Schlachtfeld zurück. Auch der Jagiellonen-König ertrank auf der Flucht in einem sumpfigen Abschnitt des Csele-Baches. Sein Leichnam wurde erst Wochen nach der Schlacht geborgen und in der Königsgruft in Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) beigesetzt.

Das Königreich Ungarn zerfiel in der Folge der Schlacht von Mohács in drei Teile: einen habsburgischen Teil - das katholische sogenannte Königliche Ungarn mit der Haupt- und Krönungsstadt Pressburg (heute Bratislava) -, das evangelische Fürstentum Siebenbürgen als osmanischem Vasallenstaat sowie den größten, osmanischen Teil ("Türkisch-Ungarn").

Das mittlere Drittel des Landes geriet für insgesamt fast 150 Jahre unter osmanische Herrschaft. Ungarn wurde zu einer Pufferzone zwischen dem Habsburgerreich und dem Osmanischen Reich, was nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich tiefe Spuren hinterließ.
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