Kirchengipfel in Nordamerika zu Migration und Menschenrechten
01.09.202616:39
Mexiko/Kanada/USA/Migration/Menschenrechte/Kirche
"Jeder Migrant hat ein Gesicht, eine Geschichte, eine Familie" - Von Tobias Käufer (KNA)
Mexiko-Stadt, 01.09.2026 (KAP/KNA) Es knirscht im Binnenverhältnis zwischen Mexiko, Kanada und den USA. Im Wochentakt erhebt Washington schwere Vorwürfe gegen den südlichen Nachbarn; mit Kanada ist ein Handelskonflikt derart eskaliert, dass sich beide Seiten mit Strafzöllen überziehen.
In dieser Gemengelage haben sich die Spitzen der katholischen Bischofskonferenzen der drei Länder zu einem "ersten historischen Treffen" zusammengefunden, wie die Zeitung "El Universal" nun berichtete. Insgesamt soll die Begegnung fünf Tage dauern. Zu erwarten ist auch eine gemeinsame Abschlusserklärung.
Gesprächsbedarf gibt es genug. "Heute ist der Welttag der Verschwundenen. In Mexiko gibt es 135.000 Verschwundene. Viele Familien leiden enorm", sagte der mexikanische Bischof Ramón Castro Castro von Cuernavaca zum Auftakt der Klausur am Wochenende. Und dass das kein rein mexikanisches Problem ist, machte eine Meldung deutlich, die zu Wochenbeginn durch die mexikanischen Medien ging.
Waffen nach Süden, Drogen nach Norden
Nach Angaben von Sicherheitsminister Omar García Harfuch wurden in der Provinz in Nuevo León drei verdächtige Personen festgenommen, die ein Arsenal von 210 Schusswaffen für die mexikanischen Kartelle transportiert hätten. Die Waffen stammen aus Texas, USA.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum wirft den USA immer wieder vor, zu wenig gegen Waffenschmuggel Richtung Süden zu tun. Die mexikanischen Kartelle sind auch deshalb so mächtig, weil sie durch Milliardeneinnahmen in der Lage sind, sich mit modernsten Waffen aus den USA auszustatten.
Die USA wiederum werfen Mexiko vor, zu wenig gegen Drogenschmuggel und illegale Migration in die Gegenrichtung, nach Norden, zu tun. Migration dürfe nicht auf Statistiken, staatliche Politik oder wirtschaftliche Verpflichtungen reduziert werden, hielt Castro dagegen, der auch Vorsitzender der Mexikanischen Bischofskonferenz ist. "Jeder Migrant hat ein Gesicht, eine Geschichte, eine Familie, eine Hoffnung. Leider oft auch viele Wunden."
Begegnung mit verschiedenen Realitäten
Die drei Länder stünden vor unterschiedlichen Herausforderungen, so Castro. "Wir sind hierhergekommen, um uns aus unterschiedlichen Realitäten heraus zu begegnen: Mexiko durchlebt derzeit schwierige Zeiten im sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich. Die USA und Kanada stehen vor Veränderungen, die sich auf das Leben ihrer Bevölkerung und auf den Auftrag ihrer Kirchen auswirken."
Aus Kanada ist der Episkopatsvorsitzende angereist, Bischof Pierre Goudreault aus Sainte-Anne-de-la-Pocatière. Er dürfte seine Amtskollegen über den neuesten Stand im Handelsstreit zwischen den USA und Kanada informieren.
Kirche will mit einer Stimme sprechen
Die US-Kirche, die ohnehin auf kritische Distanz zur Migrationspolitik der Trump-Regierung gegangen ist, rief die Kirche auf dem Kontinent zu Einheit auf. Bischof Daniel Flores aus der texanischen Diözese Brownsville, zugleich Vizepräsident der US-Bischofskonferenz, warb für Geschlossenheit. Es werde "immer dringlicher, dass die katholische Kirche in Amerika mit einer Stimme spricht".
Oscar Cantú, Bischof von San José in Kalifornien und in der Bischofskonferenz für Fragen rund um die hispanische Gemeinschaft zuständig, verlangte, die Rechte von Migranten zu respektieren. Die Menschenwürde sei immer zu wahren, vor allem die der Armen und der Einwanderer, die oft keinen Ort haben, an dem sie ihr Haupt niederlegen können", sagte Cantú in Anlehnung an ein Bibelwort.