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Auch für den Papst war 9/11 eine düstere Stunde der Menschheit

02.09.2026 08:40
Vatikan/USA/Religion/Papst/Terrorismus/Krieg/Geschichte
Terroranschläge vom 11. September 2001 erschütterten Johannes Paul II. tief - Von Kathpress-Rom-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel
Rom, 02.09.2026 (KAP) Unüberhörbar hat sich Papst Johannes Paul II. (1978-2005) nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in die Debatte um die militärischen Reaktionen der USA eingebracht. Den Tag selbst erlebte das Kirchenoberhaupt vor 25 Jahren auch persönlich als einen tiefschwarzen Moment.

Als ihn die Nachricht von den Terroranschlägen erreichte, die die Geschichte veränderten, verbrachte der Papst aus Polen gerade einen audienzfreien Spätsommertag in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo. Ein Telefonanruf kurz nach 15 Uhr schreckte den durch Parkinson-Medikamente häufig schläfrigen Papst aus seiner Nachmittagsruhe auf. Es war sein Pressesprecher Joaquin Navarro-Valls, der ihm schilderte, welche schockierenden Bilder aus New York er gerade im Fernsehen sah.

Jahre später erzählte Navarro in einem Interview, wie es dann weiter ging. Auch der Papst schaltete ein und sah die einstürzenden Türme des World Trade Centers und die Verzweiflung in Manhattan. Seine erste Reaktion war die Frage, wie Menschen zu so etwa fähig sein könnten. Dann ging er in die Hauskapelle, um für die Opfer zu beten. Wenige Minuten später beschloss der Papst, US-Präsident George W. Bush anzurufen.

Nur sechs Wochen vorher hatte der Texaner ihn in Castel Gandolfo erstmals besucht. Die Bilder des gebeugten, aber sonnengebräunten Papstes, der dem Präsidenten mit großer Geste den Blick über den azurblauen Albaner See zeigte, gingen damals um die Welt. Dieser friedliche Moment schien nun Lichtjahre entfernt.

Der Telefonanruf des tief erschütterten Papstes ging ins Leere. Bush war aus Sicherheitsgründen an Bord der Air Force One und unerreichbar. Dann tat Johannes Paul II. etwas, was Päpste oft bei Katastrophen tun: Er diktierte ein Telegramm.

"Dunkler und tragischer Moment"

An Bush persönlich gerichtet begann es mit den Sätzen: "Schockiert von dem unsäglichen Schrecken der heutigen Terrorangriffe gegen unschuldige Menschen in den USA eile ich, Ihnen und Ihren Mitbürgern meine tiefe Trauer und der Nation meine Nähe im Gebet in diesem dunklen und tragischen Moment zu versichern."

Das Wort von der Dunkelheit wiederholte der Papst auch am Tag danach, als er die Generalaudienz auf dem Petersplatz leitete. Die Begegnung Tausender Pilger aus aller Welt mit dem Kirchenoberhaupt, die normalerweise von Jubel, Applaus und Fröhlichkeit geprägt ist, verlief in respektvoller, gedrückter Stimmung.

In das gespannte Schweigen der versammelten Menschen hinein sagte der Papst: "Ich kann diese Audienz nicht beginnen, ohne meinem tiefen Schmerz wegen der gestrigen Terrorattacken Ausdruck zu verleihen, die Amerika in Blut getränkt und Tausende Todesopfer und Verletzte gefordert haben." Er schloss sich all jenen an, die diese Taten verurteilten und fügte hinzu: "Niemals führen die Wege der Gewalt zu echten Lösungen der Menschheitsprobleme."

Und dann sprach er wieder von der Dunkelheit: "Gestern war ein dunkler Tag in der Geschichte der Menschheit, ein schrecklicher Affront gegen die Würde des Menschen." Und weiter: "Auch wenn die Mächte der Finsternis die Oberhand zu haben scheinen: Der Glaubende weiß, dass das Böse und der Tod niemals das letzte Wort haben."

Warnung vor Spirale des Hasses

Am Ende seiner Rede ging der Papst dann auch auf die in den USA bereits laut werdenden Stimmen ein, die Rache und Vergeltung verlangten: "Bitten wir den Herrn, dass die Spirale des Hasses und der Gewalt sich nicht durchsetzt. Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, möge in den Herzen aller Gedanken der Weisheit und Pläne des Friedens erwecken."

Für Johannes Paul II. war das Massaker von Manhattan auch persönlich ein Tiefschlag. Noch kurz zuvor zum Abschluss des symbolträchtigen Jahres 2000 hatte er die Vision einer friedvollen Menschheit verkündet.

In ihr sollten die Religionen die Chance haben, durch Dialog "im Rahmen eines immer ausgeprägteren kulturellen und religiösen Pluralismus, wie man ihn in der Gesellschaft des neuen Jahrtausends voraussehen kann, (...) eine sichere Voraussetzung für den Frieden zu schaffen und das düstere Gespenst der Religionskriege zu vertreiben, die viele Epochen der Menschheitsgeschichte mit Blut überzogen haben". Diese zentralen Sätze seines hoffnungsvollen Lehrschreibens am Beginn des dritten Jahrtausends (Titel: Novo millenio ineunte) wirkten nun erst einmal wie Makulatur.

Doch der Papst aus Polen, der schon in seinem Kampf gegen die kommunistischen Diktaturen in Osteuropa große Zähigkeit bewiesen hatte, ließ sich auch von seiner Hoffnung auf einen Frieden der Religionen nicht abbringen. Auch aus diesem Grund kritisierte er in den Folgejahren und bis zu seinem Tod im April 2005 die Versuche der USA und ihrer Verbündeter, durch Kriege in Afghanistan und im Irak den islamistischen Terrorismus militärisch zu besiegen.
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