Expertin im Vatikan: "Allein die fachliche Expertise zählt"
02.09.202614:19
Deutschland/Vatikan/Kirche/Finanzen/Leute
Juristin Kreuter-Kirchhof erlebt Zusammenarbeit von Kardinälen und Laien im Wirtschaftsrat des Vatikans als vertrauensvoll und synodal
Bonn, 02.09.2026 (KAP/KNA) Eine der wichtigsten Beraterinnen des Papstes in Wirtschaftsfragen erkennt im Vatikan ein gutes Miteinander zwischen Kardinälen und Laien. Die deutsche Juristin Charlotte Kreuter-Kirchhof sagte laut KNA am Mittwoch im "katholisch.de"-Interview, in der Arbeit im Wirtschaftsrat zähle "allein die fachliche Expertise und das gute Argument".
Kreuter-Kirchhof berät seit 2020 zunächst Papst Franziskus und nun Papst Leo XIV. im vatikanischen Wirtschaftsrat, gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx und 13 anderen Experten. Der Erzbischof von München ist Koordinator des Gremiums, Kreuter-Kirchhof Vizekoordinatorin. Der Rat genehmigt den jährlichen Haushaltsplan und den Haushaltsabschluss des Heiligen Stuhls und legt beides dem Papst vor. Die deutsche Wissenschaftlerin betont: "Ich erlebe die Zusammenarbeit als sehr gut und sehr vertrauensvoll."
Frauen in Führungspositionen
Neben acht Kardinälen sind im Wirtschaftsrat sieben Laien vertreten, sechs davon Frauen. "Papst Franziskus hat immer wieder Frauen in Leitungspositionen im Vatikan berufen, und Papst Leo setzt dies fort. Dies ist nach meinem Eindruck ein wichtiges Signal: Es ist der Wunsch des Papstes, dass Frauen in der katholischen Kirche stärker Verantwortung in Führungspositionen übernehmen und dieses sichtbar wird", sagt Kreuter-Kirchhof.
Der Wirtschaftsrat tagt laut der Düsseldorfer Juristin mehrmals im Jahr im Vatikan. Die Expertinnen und Experten sind alle gleich stimmberechtigt. Sie beraten und entscheiden gemeinsam über Finanz- und Verwaltungsthemen sowie strukturelle Verwaltungsfragen. "Dieses gute Miteinander erlebe ich als synodal."
Ringen um einen Konsens
Konkret würden nicht immer alle Mitglieder des Wirtschaftsrates alle Überlegungen teilen. "Deshalb ringen wir im Wirtschaftsrat um den richtigen Weg und suchen nach gemeinsamen Entscheidungen im Konsens." Das gelinge im Wirtschaftsrat gut, so die Juristin. Im Austausch mit anderen vatikanischen Institutionen gebe es ein stärkeres Ringen. Doch intensive Gespräche seien auch hier hilfreich; gemeinsames Ziel sei, den Papst zu unterstützen.
Besonders schätzt Kreuter-Kirchhof die globale Perspektive, die sich in der Zusammensetzung des Wirtschaftsrats spiegele: "Im Vatikan begegnen sich Menschen aus allen Teilen der Welt. Diese unterschiedlichen Perspektiven ins Gespräch zu bringen und zu vereinen, das ist ein großes Geschenk - für die Kirche und auch für die Welt."
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